VeloDunajec in Małopolska - die schönste Radroute in Polen
Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass VeloDunajec die schönste Radroute in Polen ist. Mit jeder neuen Saison und jedem fertiggestellten Abschnitt fühlt sich dieser Satz für mich immer wahrer an. Małopolska (Kleinpolen) schließt systematisch die noch fehlenden Abschnitte von Radwegen und Brücken entlang des Dunajec. Dank der Runde um den Czorsztyn-See, der Anbindung an die Radroute rund um das Tatra-Gebirge und der Verbindung mit dem Weichsel-Radweg am Ende ist VeloDunajec heute auch zu einem hervorragenden Ausgangspunkt für die Planung von Radtouren durch die gesamte Region geworden.
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Route on the map
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-dunajec-2025.gpx
VeloDunajec in Małopolska - Inhaltsverzeichnis
- VeloMałopolska, ein kohärentes System von Radrouten
- Hochwertige Radrouten für alle
- Grundinformationen zu VeloDunajec
- VeloDunajec beginnt in Zakopane
- Der Zakopane-Stil als Leitfaden durch die Stadt
- Der Einstieg ins Radfahren ist auf der Gubałówka möglich
- Die ersten Kilometer auf öffentlichen Straßen
- Die Vorteile von Radrouten entlang von Flüssen
- VeloDunajec trifft auf die Route rund um die Tatra
- Radfahrerfreundliche Unterkünfte in Małopolska
- So sollte moderner Radtourismus aussehen
- Sehenswerte Orte im kleinen Dorf Łopuszna
- Die unheimliche Apfel-Gespinstmotte entlang der Route
- Eine Holzkirche auf der UNESCO-Liste
- Frydman - Weinkeller und eine ungewöhnliche Dammquerung
- Eine der bemerkenswertesten Radinvestitionen
- VeloCzorsztyn - ein weiteres Radhighlight von Małopolska
- Burg Niedzica – der bekannteste Ort entlang der Route
- Den Dunajec mit dem Fahrrad auf dem Floß erleben
- Der spektakulärste Abschnitt von VeloDunajec
- Eine neue Radroute zwischen Szczawnica und Krościenko
- Über die „Abgerissene Brücke“ ans linke Ufer
- Fahrrad-Rastplätze in Małopolska
- Ungewöhnliche Radbrücken in Małopolska
- VeloDunajec verläuft auch über ruhige Nebenstraßen
- Die längste Radbrücke in Małopolska
- Stary Sącz - eine der ältesten Städte Polens
- Nowy Sącz - ein schöner Stopp an der VeloDunajec
- Die hochwertige Route endet in Nowy Sącz
- Anspruchsvolle 25 Kilometer mit drei Anstiegen
- Gródek nad Dunajcem an einem künstlichen Stausee
- Gute Radwege bei Zakliczyn
- Ein kostenloses isotonisches Getränk aus einer Naturessig-Manufaktur
- 10 Kilometer bis Tarnow, 120 km bis Krakow
- Fahrradfreundlicher Ort am Ende der Route
- Der größte Ort von Massenexekutionen
- Zuerst die Bima, dann der Kirkut in Tarnow
- Den Dunajec mit einem Radtourenveranstalter entdecken
VeloMałopolska, ein kohärentes System von Radrouten
Über die im Rahmen des Projekts VeloMałopolska in Małopolska gebauten Routen schreibe ich von Anfang an – seit dem Moment, als der Weichsel-Radweg entstanden ist. Diese beliebte Route zeigte zusammen mit der kurz zuvor gebauten Radroute rund um das Tatra-Gebirge in Polen, wie komfortabel und sicher Fernradrouten heute aussehen können. Kurz darauf begann der Bau von VeloDunajec, dem bald VeloCzorsztyn folgte – die spektakuläre Runde um den Czorsztyn-See, die zu einem der Aushängeschilder des gesamten Netzes wurde. Heute ist VeloMałopolska längst nicht mehr nur eine Sammlung einzelner Abschnitte, sondern ein zunehmend zusammenhängendes Radroutensystem, das von Jahr zu Jahr weiter wächst. Zu den jüngsten Neuigkeiten aus der Region gehören neue Radwege entlang der VeloSkawa-Route sowie Pläne für eine Radrunde um den Rożnowskie-See, die zugleich helfen würde, die noch fehlenden Abschnitte von VeloDunajec zu schließen.
Hochwertige Radrouten für alle
Was die Radrouten in Małopolska wirklich auszeichnet, ist ihre sehr hohe Qualität und damit auch ihre hervorragende Zugänglichkeit. Die Routen entlang des Dunajec, rund um den Czorsztyn-See, entlang der Weichsel sowie die Radroute rund um das Tatra-Gebirge bilden in der Praxis sichere und komfortable Korridore, die durch den Bau von Hunderten Kilometern asphaltierter Radwege entstanden sind. Die meisten von ihnen verlaufen weit entfernt vom Autoverkehr oder auf ruhigen Nebenstraßen. Das besondere Bild des Projekts VeloMałopolska wird auch durch seine speziellen Fuß- und Radbrücken geprägt. Die grünen Brücken über den Dunajec und den Poprad sind inzwischen ebenso ein Erkennungszeichen des Radfahrens in Małopolska wie die alten Eisenbahnbrücken, die auf der Route rund um das Tatra-Gebirge für Radfahrer angepasst wurden. In Europa habe ich eine Infrastruktur in vergleichbarem Umfang nur in Italien, in der Region Trentino, gesehen. Radfahrende werden in Małopolska zudem durch gut gestaltete Rastplätze unterstützt, die zu den praktischsten in Polen zählen.
Grundinformationen zu VeloDunajec
VeloDunajec ist ein rund 240 Kilometer langer Fernradweg, der entlang des Flusses Dunajec durch einen großen Teil der Region Małopolska verläuft – von Zakopane am Fuß der Tatra bis nach Wietrzychowice in der Nähe von Tarnow, wo er an den Weichsel-Radweg anschließt. Die Route startet unterhalb der Tatra und führt anschließend durch weitere Gebirgszüge – die Gorce, die Pieninen und den Beskid Sądecki – quert das Pogórze Rożnowskie und senkt sich danach allmählich in die tiefer gelegenen, offeneren Landschaften des unteren Flusslaufs ab. Über weite Strecken verläuft der Weg auf asphaltierten Radwegen und ruhigen Nebenstraßen, oft direkt am Fluss, mit zahlreichen Fuß- und Radbrücken sowie einer klaren Beschilderung. VeloDunajec lässt sich als zusammenhängende Mehrtagestour fahren oder in kürzere, logisch aufgebaute Etappen unterteilen, von denen viele sich auch hervorragend für eigenständige Wochenendtouren eignen.
VeloDunajec beginnt in Zakopane
VeloDunajec beginnt in Zakopane. Der nächste größere Ort auf der Route, Nowy Targ, ist nur 30 Kilometer entfernt – eine ideale Distanz für die zweite Tageshälfte. Der erste Teil des Tages lässt sich problemlos für die Anreise in die Region mit Zug oder Auto nutzen. Der Zug ist dabei immer die entspanntere Wahl, doch wer mit dem Auto anreist, stellt es am besten in Nowy Targ beim Gästehaus oder Hotel ab, in dem die erste Nacht verbracht wird. Von dort erreicht man den Start der Route in Zakopane bequem mit der effizienten Lokalbahn. In der Praxis bedeutet das Zeitersparnis, weniger Stress im Verkehr, deutlich leichteres Parken in Nowy Targ und eine schnelle Rückkehr zum Auto nach dem Ende der VeloDunajec-Tour. Für diesen ersten halben Tag auf dem Rad muss man nicht einmal das Gepäck mitnehmen – es kann sicher in der Unterkunft in Nowy Targ auf einen warten.
Der Zakopane-Stil als Leitfaden durch die Stadt
Der Start der Route in Zakopane ist zugleich eine gute Gelegenheit für eine kurze Runde durch die Stadt. Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die Villa Koliba – das erste Gebäude im Zakopane-Stil, entworfen 1892 von Stanisław Witkiewicz und heute Sitz des Museums des Zakopane-Stils. In der Nähe liegt der Ehrenfriedhof auf dem Peksowy Brzyzek, ein weiterer wichtiger Punkt bei einem Besuch der Stadt. Eigentlich ist die gesamte Zakopane-Stil-Route ein hervorragender Grund, Zakopane mit dem Fahrrad zu erkunden. Sie umfasst rund 40 Objekte, verteilt über verschiedene Teile der Stadt – vor allem Villen und Pensionen aus dem frühen 20. Jahrhundert –, die alle klar markiert und online mit Karten und Hintergrundinformationen beschrieben sind. Diese Route bedeutet nicht nur das Betrachten einzelner Gebäude, sondern das Nachvollziehen einer zusammenhängenden Geschichte eines Baustils, der den Charakter und die Landschaft von Zakopane dauerhaft geprägt hat.
Für mich ist jedoch der interessanteste Ort in Zakopane die Władysław-Hasior-Galerie. Sie befindet sich im ehemaligen Erholungsgebäude eines Tuberkulose-Sanatoriums. Die Galerie wurde 1984 vom Künstler selbst eingerichtet und zeigt eine Auswahl seiner außergewöhnlichen, oft sehr expressiven Werke. Es genügt ein Schritt nach innen, um in eine völlig andere Welt einzutreten als die laute Krupówki – der gedämpfte Innenraum, gefüllt mit surrealen Installationen und psychedelischer Musik aus den Lautsprechern, hinterlässt einen starken Eindruck. Und hier kehrt auch die Villa Koliba noch einmal zurück – denn es war Władysław Hasior, der 1993 während der Renovierung für die Gestaltung ihres Interieurs verantwortlich war.
Der Einstieg ins Radfahren ist auf der Gubałówka möglich
Dieser Artikel konzentriert sich auf die Radroute VeloDunajec und ihren Hauptverlauf, daher erwähne ich hier nur kurz, dass sich die ersten Kilometer der Tour auch variieren lassen, indem man die Basisvariante entlang der Zakopianka durch eine aussichtsreiche Abfahrt von der Gubałówka über Ząb, Ciche und anschließend eine der Varianten der Route rund um das Tatra-Gebirge ersetzt. Den Gipfel der Gubałówka erreicht man mit der beliebten Standseilbahn, in einem Wagen können problemlos mehrere Fahrräder mitgenommen werden. Leider ist ein Fahrradticket weiterhin nicht online erhältlich, sodass ein Gang zum Ticketschalter unvermeidlich ist. Zum Glück gibt es ein separates Tor für Radfahrende, das hilft, lange Warteschlangen bei der Auffahrt zu vermeiden.
Die ersten Kilometer auf öffentlichen Straßen
Die ersten Wegweiser der Hauptroute VeloDunajec erscheinen in der Nähe des Bahnhofs in Zakopane. Auf etwa 30 Kilometern führt die Route über Poronin, Biały Dunajec und Szaflary nach Nowy Targ und nutzt dabei lokale, recht ruhige öffentliche Straßen. Das ist eine gute Gelegenheit, die Gegend aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben als die meisten Besucher von Zakopane, die sie meist nur durch die wenig inspirierende Windschutzscheibe eines Autos kennen. Trotz der kurzen Distanz zur viel befahrenen Zakopianka bieten die parallel verlaufenden, mit den Schildern von VeloDunajec markierten Straßen eine ruhige und flüssige Fahrt, während der Verkehr auf der Hauptstraße gleichzeitig oft in beiden Richtungen zum Stillstand kommt.
Die Vorteile von Radrouten entlang von Flüssen
Die ersten rund 140 Kilometer der Route sind größtenteils eine Fahrt bergab – abgesehen von wenigen kurzen Unterbrechungen, darunter der bekannte Anstieg vor Falsztyn. Das ist typisch für Radrouten entlang von Flüssen, die seit Jahren die Popularität des Radtourismus in Europa prägen. Zu den bekanntesten Beispielen zählen die Loire-Route in Frankreich, die Elbe-Route in Deutschland, die Route entlang der Drau in Österreich sowie die Rheinradroute in der Schweiz. Im Oberlauf eines Flusses, meist am Beginn der Route, dominieren die Abfahrten. Weiter flussabwärts wird der Lauf ruhiger, die Strecke flacht allmählich ab und das Treten erfordert etwas mehr Kraft.
VeloDunajec trifft auf die Route rund um die Tatra
Bevor Nowy Targ erreicht wird, verläuft die Route in der Nähe von Ludźmierz, dem ältesten Dorf in Podhale, das als sein spirituelles Zentrum gilt. Hier ereignete sich ein Geschehen, das als prophetisch in Erinnerung blieb – während einer feierlichen Messe, an der Kardinal Stefan Wyszyński teilnahm, fing Karol Wojtyła, damals ein junger Bischof und der spätere Papst Johannes Paul II., das herabfallende Zepter der Statue der Muttergottes von Ludźmierz auf. In der Nähe von Ludźmierz verbindet sich VeloDunajec mit der Radroute rund um das Tatra-Gebirge, und beide Routen verlaufen gemeinsam auf einer ehemaligen Bahntrasse durch den Wald Bor Kombinacki.
Es lohnt sich, auf die Stelle zu achten, an der die Radroute rund um das Tatra-Gebirge nach links abbiegt – diese Variante führt auf hervorragenden Radwegen entlang des Dunajec nahezu direkt auf den Marktplatz von Nowy Targ. Wer stattdessen dem Hauptverlauf von VeloDunajec durch den Wald Bor Kombinacki folgt, umfährt das Stadtzentrum in einem weiten Bogen. Zunächst geht es durch ruhige Stadtstraßen, dann über einen Radweg am Stadtrand entlang und schließlich über eine lange Brücke über den Biały Dunajec in Richtung des lokalen Flugplatzes. Genau hier beginnt das, was am Dunajec wirklich am schönsten ist – lange Kilometer touristischer Radwege, weit entfernt vom Autoverkehr.
Radfahrerfreundliche Unterkünfte in Małopolska
Eine Übernachtung in Nowy Targ ist die erste Gelegenheit, das Netzwerk der radfahrerfreundlichen Unterkünfte in Małopolska zu nutzen, das Reisende auf den Routen von VeloMałopolska unterstützt. Zu den grundlegenden Anforderungen gehören die Aufnahme von Radfahrenden auch nur für eine Nacht – ein zentrales Prinzip des mehrtägigen Radtourismus – sowie die Bereitstellung sicherer, abgeschlossener Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Alle radfahrerfreundlichen Unterkünfte in Małopolska sind auf der Website des Projekts zu finden, und vor Ort sind sie durch ein gut sichtbares Schild mit dem charakteristischen Logo gekennzeichnet.
So sollte moderner Radtourismus aussehen
Der Abschnitt von VeloDunajec zwischen Nowy Targ und dem Czorsztyn-See gehörte bereits 2018 zu den ersten Teilen der Route, die für Radfahrende freigegeben wurden. In den folgenden Jahren wurde die Strecke konsequent ausgebaut – neue Radwege entstanden unter anderem auf dem zuvor fehlenden Abschnitt entlang des Dunajec am Ortsausgang von Nowy Targ sowie im Bereich von Dębno, wo die Trasse die Radfahrenden besonders landschaftlich direkt am Fluss entlangführt. Auch die Brücke in Dębno wurde saniert und schafft nicht nur eine komfortable Querung in Richtung Niedzica, sondern bildet zugleich ein wichtiges Element der VeloCzorsztyn-Runde. Heute ist dieses Gebiet ein beinahe vorbildliches Beispiel dafür, wie sichere und breit zugängliche Bedingungen für den Radtourismus geschaffen werden können. Es fällt schwer, die Fahrt von Nowy Targ über Lopuszna und Harklowa nach Dębno und anschließend entlang des Czorsztyn-Sees – entweder nach Niedzica über VeloDunajec oder nach Czorsztyn über VeloCzorsztyn – nicht zu bewundern.
Sehenswerte Orte im kleinen Dorf Łopuszna
Ein Stopp in Lopuszna lohnt sich sehr. Allein das Dorf bietet gleich fünf mit der Geschichte der Region verbundene Orte, die sich sämtlich in einem Umkreis von höchstens sechshundert Metern von der Route befinden. Auf dem örtlichen Friedhof liegt Pfarrer Józef Tischner begraben – ein bekannter polnischer Philosoph, katholischer Priester und öffentlicher Intellektueller, der für seine Texte über Ethik, Freiheit und gesellschaftlichen Dialog weithin geschätzt wird –, dessen Grab wir während einer unserer ersten Fahrten entlang von VeloDunajec besucht haben. Etwas näher am Dunajec steht die hölzerne Dreifaltigkeitskirche und die Kirche des hl. Antonius des Einsiedlers aus dem 15. Jahrhundert. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Tetmajer-Herrenhaus, das mit seiner traditionellen Form und ruhigen Atmosphäre bezaubert – bei meinem Besuch grasten Pferde im umzäunten Hof vor dem Gebäude. Heute ist das Herrenhaus eine Zweigstelle des Tatra-Museums, die der Familie Tetmajer und den Traditionen von Podhale gewidmet ist.
Wer auf Radtouren gern lokale Geschmäcker entdeckt, sollte im Restaurant der Pension Pstrąg in Lopuszna einkehren. Unter den Gerichten aus frischem Fisch findet sich auch ein Tatar vom rohen Forellenfleisch, das zu einer der ungewöhnlicheren Erinnerungen an eine Fahrt durch Małopolska werden kann. Es lohnt sich außerdem, daran zu denken, dass die Restaurants in dieser Gegend außerhalb der Wochenenden und der Hochsaison oft recht früh schließen. Selbst im Juni machen viele Lokale in Podhale bereits nach 18 Uhr zu, sodass es am späteren Nachmittag schwierig sein kann, noch eine warme Mahlzeit zu bekommen.
Die unheimliche Apfel-Gespinstmotte entlang der Route
Auf dem Radweg nach Harklowa, noch vor Dębno, sollte man besonders Ende Juni oder Anfang Juli aufmerksam bleiben. In dieser Zeit lassen sich mitunter große Schwärme fliegender Falter beobachten – die Apfel-Gespinstmotte. Mitte Juni bedeckten ihre charakteristischen, in feine Gespinste gehüllten Kokons mehrere Dutzend Bäume entlang der Route. Die so überzogenen Äste wirkten ziemlich unheimlich, vor allem wenn man erkennen konnte, dass sich in den Nestern lebende Raupen befanden. Interessanterweise treten solche Massenvermehrungen etwa alle zehn Jahre auf und können zwei oder drei aufeinanderfolgende Saisons andauern – eine unerwartete Naturerscheinung direkt an der Strecke.
Auf die Nester der Apfel-Gespinstmotte stieß ich an einem Ort, der dank eines öffentlichen Parkplatzes an der Straße zwischen Nowy Targ und Dębno seit Jahren zu den beliebtesten Ausgangspunkten für Tagestouren entlang des Dunajec gehört. Direkt daneben, in einem modernen Gebäude, befindet sich einer der vielen Fahrradverleihe dieser Gegend. Das ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie eine gut geplante Radroute die Entwicklung des lokalen Tourismus und begleitender Dienstleistungen anstoßen kann. Hier lassen sich sowohl klassische Fahrräder als auch E-Bikes sowie Kinderanhänger ausleihen.
Eine Holzkirche auf der UNESCO-Liste
Ein absolutes Muss auf jedem Besichtigungsprogramm entlang von VeloDunajec ist die Kirche des hl. Erzengels Michael in Dębno – eine der wertvollsten Holzkirchen in Polen und in ganz Europa, die als Teil der Gruppe „Holzkirchen im südlichen Małopolska“ zum UNESCO-Welterbe gehört. Erbaut im 15. Jahrhundert, hat sie sich bis heute in nahezu unveränderter Form erhalten. Das Innere ist berühmt für seine originalen Polychromien aus dem 15. Jahrhundert, die als die ältesten vollständig erhaltenen Holzmalereien Europas gelten. Das älteste Objekt im Inneren ist das Kruzifix auf dem Balken zwischen Langhaus und Chor – es stammt aus der Vorgängerkirche, die einst hier stand, und wird auf das späte 14. Jahrhundert datiert. Direkt darüber ist die seltene Darstellung eines Jagiellonen-Adlers zu sehen, die die historische Bedeutung dieses Ortes unterstreicht.
Von außen erinnerte mich die Kirche in Dębno an die hölzernen Gotteshäuser, die wir auf unserer Radtour durch die norwegischen Fjorde gesehen haben, ebenso wie an die schlanken orthodoxen Kirchen aus der Maramureș in Rumänien. Am besten erreicht man sie, indem man unter der Brücke über den Dunajec hindurchfährt und dem Hochwasserdamm folgt, der Dębno vom Czorsztyn-See trennt, um dann wieder in Richtung Dorfzentrum zurückzukehren. Nach dem Besuch der Kirche führt die Route weiter nach Frydman – über einen mehrere hundert Meter langen, zweispurigen Radstreifen, der auf der Straße von Dębno nach Niedzica markiert ist.
Frydman - Weinkeller und eine ungewöhnliche Dammquerung
Eine besonders originelle Attraktion von Frydman, einem Dorf, das durch einen massiven Damm vom Wasser des Czorsztyn-Sees getrennt ist, ist eine Gruppe von sechs Kellertunneln, jeweils etwa hundert Meter lang, in denen bereits im 19. Jahrhundert aus Ungarn importierter Wein gelagert wurde. Im Ortszentrum, direkt neben der Informationstafel, findet man die Adresse des Hofes, auf dem sich ein bequemer Zugang zu den Kellern befindet, der vor Ort als Kapelle oder Burghaus bezeichnet wird. Heute stehen die Keller leer, ihre Innenräume wirken eher schlicht, doch für einen kurzen Besuch beim Durchfahren des Dorfes lohnen sie sich auf jeden Fall.
Zu den eindrucksvolleren Momenten der Fahrt auf VeloDunajec gehört der Abschnitt entlang der Dammkrone bei Frydman. Diese Passage ist fast 2,5 Kilometer lang und beeindruckt allein schon durch ihre Dimensionen. Der Damm wurde als Teil des Hochwasserschutzsystems für den Czorsztyn-See errichtet und dient als seitlicher Schutzdamm für die tiefer gelegenen Bereiche von Frydman. Der Bau erfolgte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Freigabe zusammen mit der Flutung des Sees in den 1990er-Jahren. Er ist nicht so bekannt wie der Damm in Niedzica, doch in Bezug auf Raumwirkung und Exponiertheit kann er ebenso beeindrucken – besonders dann, wenn man mehrere Minuten lang auf einer schmalen Linie zwischen dem Wasser des Czorsztyn-Sees und den deutlich tiefer liegenden Gebäuden von Frydman fährt.
Eine der bemerkenswertesten Radinvestitionen
Und gleich hinter Frydman… Nur wenige hundert Meter vom Campingplatz am Czorsztyn-See entfernt beginnt eine der spektakulärsten Radinvestitionen Polens – und durchaus auch im europäischen Maßstab. Der Bau des Radwegs entlang des südlichen Seeufers erforderte umfangreiche Bau- und Ingenieurarbeiten, darunter die Sicherung steiler Hänge gegen Erdrutsche. Für mich ist dies zugleich ein einzigartiges Beispiel für die Entschlossenheit und den Mut der Planer der Route VeloDunajec sowie der Verantwortlichen der Region Małopolska, die für die Entwicklung des gesamten Netzes VeloMałopolska zuständig sind. Ich träume noch immer davon, dass eines Tages alle polnischen Regionen das gleiche Glück haben werden, Radvisionäre zu besitzen, die lokale Verwaltungen zu mutigen Entscheidungen bewegen können, sowie Behörden, die über die Kompetenz und den Willen verfügen, derart große Projekte umzusetzen.
VeloCzorsztyn - ein weiteres Radhighlight von Małopolska
Der Abschnitt entlang des südlichen Ufers des Czorsztyn-Sees wird perfekt ergänzt durch sein Gegenstück am Nordufer – gemeinsam bilden sie die heute berühmte und äußerst beliebte Runde um den See, bekannt als VeloCzorsztyn. Auch der Bau dieser Strecke erforderte auf den steilen Hängen umfangreiche Erdarbeiten sowie an ausgewählten Stellen zusätzliche Sicherungen des Radkorridors gegen Erdrutsche aus den bewaldeten Hängen. Auf dieser vorbereiteten Basis wurde eine Asphaltdecke aufgebracht und Schutzgeländer installiert, um ein unkontrolliertes Enden im Wasser des Sees zu verhindern. Es überrascht nicht, dass hier im Sommer tausende Radfahrende unterwegs sind, sehr häufig auch Familien. VeloCzorsztyn eignet sich gleichermaßen als Tagestour wie auch als attraktive Ergänzung zur vergleichsweise kurzen Route VeloDunajec.
Burg Niedzica – der bekannteste Ort entlang der Route
Das Dorf Niedzica-Zamek ist nicht nur wegen der malerischen Silhouette der Burg, die über dem Czorsztynsee thront, ein wichtiger Punkt entlang der Route. Es eignet sich auch hervorragend für einen zweitägigen Aufenthalt auf einer Reise entlang des Dunajec – sowohl hier als auch im benachbarten Niedzica. Den zusätzlichen Tag kann man für eine Fahrt auf dem nahegelegenen Abschnitt der Route Rund um die Tatra oder für eine entspannte Runde um den Czorsztynsee auf VeloCzorsztyn nutzen. Zwischen Niedzica und Czorsztyn verkehren kleine Gondeln, die nur wenige Personen transportieren und Fahrräder problemlos mitnehmen.
Von der Burg in Niedzica führt die Route VeloDunajec auf einem Radweg in Richtung Dunajec-Durchbruch in den Pieninen. Danach erscheint in Sromowce Wyżne ein weiterer Abschnitt der Radinfrastruktur, gefolgt von einer landschaftlich reizvollen Fahrt auf einer öffentlichen Straße durch Sromowce Średnie. Die Route erreicht anschließend Sromowce Niżne, direkt unterhalb einer schönen Holzkirche, die zur Holzarchitekturroute von Małopolska gehört. Im historischen Innenraum befindet sich eine Kunstgalerie lokaler Künstler, die von einem freundlichen Gastgeber geführt wird. Dort können Besucher auch originale Souvenirs aus den Pieninen erwerben. Ein Teil der Popularität der Galerie hängt mit der grenzüberschreitenden Fußgängerbrücke über den Dunajec zusammen, die 2006 eröffnet wurde.
Den Dunajec mit dem Fahrrad auf dem Floß erleben
Bevor man Sromowce Niżne verlässt und weiter durch den Dunajec-Durchbruch in den Pieninen fährt, lohnt sich der Gedanke an eine außergewöhnliche Alternative: eine Floßfahrt – zusammen mit dem Fahrrad. Eine meiner Fahrten durch die Schlucht habe ich genau auf diese Weise beendet und erinnere mich nur positiv daran. Der Radweg verläuft hier meist durch dicht bewaldete Abschnitte am östlichen Ufer des Flusses, was die Aussicht auf die spektakulärsten Szenerien dieser großen Naturattraktion Małopolskas oft einschränkt. Eine Floßfahrt hingegen ermöglicht eine ununterbrochene Beobachtung der Pieninen-Landschaft – und durch den nordöstlichen Verlauf des Flusses sind bereits um die Mittagszeit die Felswände und Ufer perfekt ausgeleuchtet. Eine zusätzliche Attraktion sind die Geschichten der Flößer, die gerne lokale Anekdoten und Erzählungen über die Orte teilen, an denen man vorbeifährt.
Der spektakulärste Abschnitt von VeloDunajec
Auch wenn man vom Fahrrad aus manchmal etwas weniger sieht, bleibt die Fahrt durch den Dunajec-Durchbruch einer der spektakulärsten Abschnitte der gesamten Route. Der Weg verläuft oft direkt über dem Wasser, eingezwängt zwischen steilen Kalksteinwänden, die mancherorts fast senkrecht aus dem Flussbett aufsteigen. Mal zeigt sich das Wasser ruhig und grünlich, dann beschleunigt es wieder in engeren Passagen – alles eingebettet in eine fast theatralische Kulisse des Nationalparks Pieninen. Ständig öffnen sich neue Perspektiven, mal auf Flussschleifen, mal auf markante Felsformationen. Genau hier verlangsamt sich das Tempo auf VeloDunajec ganz von selbst – denn es fällt schwer, nicht hin und wieder anzuhalten.
Dieser Abschnitt der Route liegt bereits im slowakischen Nationalpark Pieninen, und es waren die Slowaken, die ihn vor Kurzem saniert haben – an mehreren Stellen wurden Betonstützen für den gemeinsamen Geh- und Radweg errichtet. Sowohl diese Eingriffe als auch die Montage von Geländern lösten in Polen zahlreiche kritische Stimmen aus – wie sich im Nachhinein gezeigt hat, nicht ganz zu Recht. Die Stabilisierung des Weges durch die Schlucht war notwendig, ebenso wie die Sicherung einiger besonders gefährlicher Passagen. Im Sommer erlebt dieses Gebiet einen regelrechten Besucheransturm, vor allem durch Wanderer, die aus dem nahegelegenen Szczawnica hierherkommen.
Eine neue Radroute zwischen Szczawnica und Krościenko
In Szczawnica überquert die Route den Bach Grajcarek, entlang dessen eine Promenade mit einem etwas in die Jahre gekommenen Radweg verläuft. Für eine ruhige Fahrt den Grajcarek hinauf reicht er jedoch weiterhin vollkommen aus und ermöglicht zumindest einen kurzen Blick in das historische Zentrum des ehemaligen Kurortes. Von Szczawnica bis ins nahegelegene Krościenko nad Dunajcem, das mit dem Rad nur gute zehn Minuten entfernt ist, führt VeloDunajec bereits über einen neu gebauten Radweg, der Komfort und Sicherheit auf diesem Abschnitt deutlich verbessert hat. Besonders aussagekräftig ist dabei, dass die Trasse in einem Raum angelegt wurde, der zuvor vom Autoverkehr beansprucht war – ein klares Zeichen für das Engagement Małopolskas im Ausbau des Radtourismus.
Über die „Abgerissene Brücke“ ans linke Ufer
In Krościenko werden Radfahrende von der sogenannten Abgerissenen Brücke begrüßt, die in der Form der Querung wieder aufgebaut wurde, die hier bis 1934 bestand und während des größten Hochwassers der Zwischenkriegszeit zerstört wurde. An dieser Stelle lohnt sich der Wechsel auf das linke Ufer des Dunajec und die Einfahrt ins Dorf von dieser Seite – ein ruhiger, grüner und sehr komfortabler Radweg verläuft hier entlang. Er ist eine angenehme Alternative zum Lärm und zu den Abgasen, die den Hauptverlauf der Route entlang der Durchgangsstraße begleiten. Krościenko selbst liegt am Zusammenfluss der Gebirgszüge Pieniny, Gorce und Beskid Sądecki, und seine Geschichte als Handels- und Siedlungsort lässt sich noch heute in den historischen Häusern rund um den Marktplatz, der gotischen Allerheiligenkirche sowie in den in die Fassaden eingelassenen Wegkapellen ablesen.
Fahrrad-Rastplätze in Małopolska
Ein wichtiger Bestandteil der fahrradfreundlichen Infrastruktur in Małopolska sind die MORs – speziell eingerichtete Rastplätze für Radfahrende. Sie sind meist einfach gestaltet, aber klar auf Langlebigkeit und den täglichen Gebrauch ausgelegt. Stabile Unterstände schützen vor Wind und Regen, während Tische und Bänke zu einer richtigen Pause einladen. Die meisten MORs verfügen über Fahrradständer und Abfallbehälter, einige bieten zudem Feuerstellen oder Grillplätze. In der Hauptsaison sind ausgewählte Standorte zusätzlich mit Toiletten ausgestattet. Jeder Rastplatz ist außerdem auf der Karte markiert und mit einer kurzen Beschreibung der nahegelegenen Sehenswürdigkeiten versehen, was die Planung von Pausen und das Erkunden der Umgebung entlang der Route erleichtert.
Ungewöhnliche Radbrücken in Małopolska
In Małopolska entsteht der „Wow-Effekt“ beim Radfahren nicht nur durch hervorragende Radwege. Eine große Rolle für das Image der Region spielen auch die charakteristischen grünen Fuß- und Radbrücken. Um die Route effizient durch das Tal des Dunajec zu führen, mussten mehrere Querungen gebaut werden, die ausschließlich Radfahrenden und Fußgängern vorbehalten sind. Entlang von VeloDunajec verbinden sie die Ufer der Flüsse Dunajec, Poprad und Kamienica – unter anderem in Krościenko nad Dunajcem, Tylmanowa, Stary Sącz und Nowy Sącz. Diese Brücken dienen nicht nur als bequeme Flussquerungen, sondern auch als hervorragende Aussichtspunkte, von denen man die Atmosphäre des Tals in vollem Umfang spüren kann. Wichtig ist zudem, dass sie nicht allein den Touristen dienen – sie haben auch die alltägliche Mobilität der Einheimischen deutlich verbessert.
VeloDunajec verläuft auch über ruhige Nebenstraßen
Ab Krościenko nad Dunajcem folgt VeloDunajec sowohl neuen Radwegen als auch ruhigen, schmalen Asphaltstraßen lokaler Zufahrtswege, die fast ausschließlich von Anwohnern genutzt werden. Wichtig ist, dass der Großteil dieses Abschnitts auf der dem Fluss gegenüberliegenden Seite der stark befahrenen Woiwodschaftsstraße Nr. 969 verläuft, was die Strecke deutlich sicherer und entspannter macht. Auf den kurzen Abschnitten, die dennoch über öffentliche Straßen führen, sollte man jedoch aufmerksam bleiben und mit anderen Verkehrsteilnehmern rechnen. Neben langsam fahrenden Autos der Anwohner und landwirtschaftlichen Maschinen trifft man hier mitunter auch auf Kuriere, die fast immer in Eile sind – ihnen sollte man lieber mit etwas zusätzlicher Vorsicht begegnen.
Einer der örtlichen Obstbauern reagierte besonders kreativ auf die Entstehung von VeloDunajec und stellte neben seinem Firmensitz im Dorf Zabrzeż, direkt an der Route kurz vor Łącko, einen Verkaufsautomaten mit naturbelassenen Säften auf. Sofort fühlte ich mich an Südtirol in Norditalien erinnert und an die Apfel- und Apfelsaftstände im Etschtal. Dort füllt man sich das Getränk aus einem einfachen Behälter in einen Einwegbecher und wirft den passenden Betrag in eine Kasse daneben. In Małopolska werden Radfahrende von einem modernen Automaten empfangen, der sauber abgefüllte Säfte der Tłocznia Maurera ausgibt. Ich dachte sogar, dass man den Preis dieses wirklich hervorragenden Getränks senken könnte, wenn es in einer weniger eleganten Form verkauft würde. Am Ende nahm ich trotzdem zwei – meine Lieblingssorten kennst du ja bereits.
Die längste Radbrücke in Małopolska
Kurz vor Łącko beeindruckt eine weitere Radbrücke aus Małopolska – diesmal durch ihre außergewöhnliche Länge und die weit ausgedehnte Auffahrt von der Seite Zabrzeż. Das Flussbett des Dunajec ist hier besonders breit, was die Rolle der Brücke als Aussichtspunkt zusätzlich verstärkt. Noch immer fällt es mir schwer zu glauben, dass in Małopolska Bauwerke dieser Größenordnung mit Blick auf Radfahrende realisiert werden – ein weiterer Grund für meine Bewunderung für den Ehrgeiz hinter diesen Investitionen, der sich bereits in der wachsenden Bekanntheit der Region und in den großen Zahlen von Radfahrenden widerspiegelt, die den Schildern von VeloDunajec folgen.
Łącko, das man über einen kurzen Zubringer entlang eines Radwegs erreicht, ist berühmt für seine ausgedehnten Apfelplantagen und die damit verbundene Obstverarbeitung. Die Obstgärten sollen hier bereits im 12. Jahrhundert entstanden sein, und eine lokale Anekdote besagt, dass auch die Pfarrer zu ihrer Entwicklung beitrugen, indem sie das Pflanzen von Bäumen als Form der Buße und als eine Art Gebühr für die Verkündung von Hochzeiten auferlegten. Neben Apfelbäumen findet man in der Gegend auch Pflaumen, Birnen und Kirschen sowie Sträucher von Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren. Auch Erdbeeren und Weinreben sind vertreten. Ein Stück weiter führt VeloDunajec an einem der örtlichen Weinberge vorbei, von dem sich ein weiter Blick über das Tal des Dunajec öffnet.
Stary Sącz - eine der ältesten Städte Polens
Die Radfahr-Idylle am mittleren Lauf des Dunajec wird angenehm unterbrochen von einer der ältesten Städte Polens – Stary Sącz. Bereits in den 1950er Jahren erhielt die Stadt dank ihres erhaltenen mittelalterlichen Grundrisses den Status eines städtebaulichen Schutzgebietes. Radfahrende sind von dem Kopfsteinpflaster auf dem lebendigen Marktplatz vielleicht weniger begeistert – man muss akzeptieren, dass Historiker daran mehr Freude haben. Den Platz umgeben niedrige, kleinstädtische Bürgerhäuser, doch eines fehlt… das Rathaus. Es brannte Ende des 18. Jahrhunderts ab und wurde nie wieder aufgebaut. Oder zumindest nicht an seinem ursprünglichen Standort – eine Nachbildung des Rathauses von Stary Sącz befindet sich im nahe gelegenen Nowy Sącz, im Freilichtmuseum Miasteczko Galicyjskie, wo es als das bekannteste und charakteristischste Gebäude gilt.
Gleich hinter Stary Sącz, noch bevor die Route die Brücke über den Poprad erreicht, lohnt es sich, auf Bobrowisko zu achten – eine kleine Naturoase, die auf dem Gelände eines ehemaligen Kiesabbaus entstanden ist. Auf der einen Seite fließt der Dunajec, auf der anderen der Poprad, dazwischen erstrecken sich überflutete Abbaugruben, die sich im Laufe der Zeit in ein wertvolles Feuchtgebiet verwandelt haben. Ein etwa 400 Meter langer Naturlehrpfad führt hier über hölzerne Stege durch das Areal. An seinen Enden stehen zwei Vogelbeobachtungshütten in fantasievollen Formen, ausgestattet mit Rastplätzen, Infotafeln und Ferngläsern zur Beobachtung von Vögeln und Bibern.
Weiter führt VeloDunajec auf einen langen, rund sieben Kilometer langen Radweg, der auf dem Hochwasserdamm des Dunajec angelegt ist und Stary Sącz mit Nowy Sącz verbindet. Dieser Abschnitt wird sowohl von Touristen als auch von den Einwohnern beider Städte intensiv genutzt. Ein markantes Element der Strecke ist die Radbrücke über den Poprad, den größten Nebenfluss des Dunajec in diesem Teil der Region, die sich etwa anderthalb Kilometer vor seiner Mündung befindet. Die Brücke ist zu einem wichtigen Bestandteil des lokalen Routennetzes und zu einem der bekanntesten Orientierungspunkte auf diesem Abschnitt von VeloDunajec geworden.
Nowy Sącz - ein schöner Stopp an der VeloDunajec
Der Radweg VeloDunajec verläuft nur wenige Dutzend Meter von der Altstadt von Nowy Sącz entfernt. Es ist einer jener Orte entlang des Dunajec, an denen Stadtgrundriss und Architektur ein außergewöhnlich geschlossenes historisches Gesamtbild bilden, sodass es sich wirklich lohnt, sich zumindest ein paar ruhige Minuten Zeit für eine Fahrt durch den alten Stadtkern zu nehmen. Den Mittelpunkt des großen Marktplatzes nimmt ein vergleichsweise junges, gut hundert Jahre altes eklektisches Rathaus ein, das sich deutlich von anderen polnischen Gebäuden dieses Typs abhebt. Zusammen mit den umgebenden Bürgerhäusern, dem Straßenverlauf des Zentrums und dem Blick auf den nahe gelegenen Dunajec entsteht für mich eines der stärksten und einprägsamsten Bilder dieser Małopolska-Route.
Wenn man Małopolska nicht allzu oft besucht, lohnt es sich, in Nowy Sącz mehr als nur einen kurzen Stopp einzuplanen. Neben dem Rathaus und der Atmosphäre der galizischen Bebauung rund um den Markt finden sich in kurzer Entfernung auch die Ruinen einer Königsburg, die Basilika der Heiligen Margareta, eine Synagoge sowie das Gotische Haus. Ein besonders interessantes und landesweit einzigartiges Ziel ist das Galizische Städtchen – ein rekonstruiertes historisches Stadtzentrum mit Rathaus, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern, das heute als außergewöhnliches Freilichtmuseum funktioniert. Es liegt am Rand von Nowy Sącz, ist jedoch über eine direkte Straße nur etwa 3,5 Kilometer vom Marktplatz entfernt. Für mich diente es einmal als bequemer Ausgangspunkt für mehrere Tage Radfahren in den Niederen Beskiden, zumal sich direkt daneben der Ethnografische Park von Sącz befindet – ein Freilichtmuseum, das unter anderem die Architektur der Lemken zeigt.
Die hochwertige Route endet in Nowy Sącz
Gleich hinter Nowy Sącz, nach einem weiteren hervorragenden Abschnitt des Radwegs und der nächsten Brücke – diesmal über die Kamienica – endet der komfortabelste Teil der Route. Heute führt eine durchgehende Infrastruktur nur noch bis Wielogłowy, in die Nähe der Anlagen von Wiśniowski, einem bekannten Hersteller von Toren, Türen und Fenstern. Hier bietet Małopolska eine Wahl: Entweder man bewältigt die nächsten 25 Kilometer unter anspruchsvolleren Bedingungen, oder man steigt in einen Zug der Małopolska-Bahnen und fährt weiter nach Tarnów. Zum Glück ist bereits ein Licht am Ende dieses Radfahr-Tunnels zu sehen – die Pläne zur Schließung der fehlenden Strecke werden immer offener diskutiert, und unter den Vorschlägen finden sich sogar Ideen für einen Radweg rund um den Rożnów-See, nach dem Vorbild der Runde um den Czorsztyn-See. Das könnte ein weiterer großer Erfolg von Małopolska werden.
Anspruchsvolle 25 Kilometer mit drei Anstiegen
Wenn man sich entscheidet, den fehlenden Abschnitt der Route mit dem Rad zu fahren, ist das keineswegs ein Drama. Es sind etwa 25 Kilometer zurückzulegen, überwiegend auf öffentlichen Straßen, davon rund ein Drittel entlang einer recht belebten und nicht besonders ruhigen Hauptstraße, dazu kommen drei anspruchsvolle Anstiege. In einer Gruppe von Erwachsenen, auf normalen Rädern und mit etwas Verkehrserfahrung, sind das nach polnischen Maßstäben durchaus typische Bedingungen. Wenn jedoch Kinder auf eigenen Rädern dabei sind oder ein Anhänger gezogen wird, kann es sinnvoller sein, diesen Abschnitt mit dem Zug zu überbrücken.
Der erste der Anstiege – direkt hinter Wielogłowy – ist eine steile, lokale Serpentine zwischen landwirtschaftlichen Gebäuden. Sie ist etwa einen Kilometer lang, nahezu ohne Autoverkehr, mit Steigungen von bis zu 13%. Der zweite, bei Łazy, ist knapp zwei Kilometer lang, erreicht bis zu 10% Steigung und verläuft auf einer öffentlichen Straße mit Verkehr. Der dritte ist ähnlich lang, wirkt aber deutlich am härtesten – zwei Kilometer hinauf auf den Habalina-Hügel, wo die Steigung auf dem ersten und steilsten Abschnitt ebenfalls fast 13% erreicht, diesmal wieder ohne Autoverkehr. Keiner dieser Anstiege sollte einen durchschnittlichen Radfahrer abschrecken, doch jeder von ihnen – besonders mit Packtaschen – wird zu einer echten Herausforderung. Und wie ein Stück wilder Werbung für einen Radfahrerfreundlichen Ort, irgendwo am Straßenrand, sagt: „Jeder Anstieg hat seine Abfahrt“. Alle drei Anstiege werden mit schnellen Abfahrten belohnt – und die spektakulärste ist die erste, mit weiten Panoramablicken über die Ausläufer des Rożnów-Gebirges.
Gródek nad Dunajcem an einem künstlichen Stausee
Auf diesem Abschnitt von VeloDunajec führt die Route unter anderem durch Gródek nad Dunajcem, das sich gut für eine kurze Pause eignet. Wenn man hier einen Moment anhält, lohnt es sich, sich bewusst zu machen, dass der Rożnów-See ein künstlicher Stausee ist, der – genau wie der Czorsztyn-See – zum Hochwasserschutz und zur Regulierung des Dunajec angelegt wurde. Noch vor hundert Jahren sah die Landschaft hier völlig anders aus. Sogar die Burg auf der heutigen, einzigen sichtbaren Affeninsel im See war damals noch auf dem Trockenen erreichbar.
Genau wie bei der Burg Niedzica lohnt es sich auch hier, das Dunajec-Tal einmal aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten. Wer entlang des Ufers des Rożnów-Sees fährt, vergisst leicht, dass es hier vor weniger als 90 Jahren noch überhaupt keinen Stausee gab und der Dunajec mehrere Meter unter dem heutigen Wasserspiegel floss. Beide künstlichen Seen – der Rożnów-See und der kleinere Czchów-See, der beim Abstieg vom Habalina sichtbar wird – entstanden Ende der 1930er- und Anfang der 1940er-Jahre. Der Czchów-See fungiert als Ausgleichsbecken für den Rożnów-See, so wie der Sromowce-See diese Rolle für den Czorsztyn-See übernimmt. Und genau wie dort spielte sich das alltägliche Dorfleben einst auf dem Land ab, das heute von Wasser bedeckt ist.
Gute Radwege bei Zakliczyn
Nach der letzten Abfahrt kehrt ruhiges Fahren entlang des Dunajec zurück. Nach einem kurzen Abschnitt auf einer öffentlichen Straße tauchen wieder die glatten Asphalt-„Teppiche“ der separaten Radwege auf. Das sind rund zwölf Kilometer fertiggestellte Strecke vor und hinter Zakliczyn – der letzten der kleinen galizischen Städte auf diesem Abschnitt. Früher prägte hier eine charakteristische Form von Holzhäusern auf Außenpfosten mit Laubengängen das Bild – ihre Spuren finden sich noch heute in den Seitenstraßen. In der Mitte des Marktplatzes steht ein niedriges, markantes Rathaus. Zakliczyn beherbergt zudem einen der besonderen Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg entlang der Małopolska-Route, der vollständig Soldaten jüdischen Glaubens gewidmet ist.
Ein kostenloses isotonisches Getränk aus einer Naturessig-Manufaktur
Die nächsten 15 Kilometer hinter Zakliczyn, bis zur Brücke über den Dunajec in Kępa, verlaufen erneut auf öffentlichen Straßen. Nach einem kurzen, recht belebten Abschnitt wird es jedoch ruhig und friedlich, stellenweise so lokal, dass die Straße fast wie ein kleiner Radweg wirkt. Unterwegs lohnt es sich, nach einer großen Kanne Ausschau zu halten, die an einem Anstieg mit einer Einladung zur Pause für Radfahrer aufgestellt ist. Sie weist auf Octovnia hin – einen Hersteller von Naturessigen, der sich im Dunajec-Tal mit dieser freundlichen Geste und einer kostenlosen Erfrischung in Form eines essighaltigen Getränks bekannt macht. Es lohnt sich, hier kurz anzuhalten und die einladende Octovnia mit einer Souvenirflasche eines der lokalen Produkte zu verlassen.
10 Kilometer bis Tarnow, 120 km bis Krakow
Auf der Brücke in Kępa, hinter der erneut neue Małopolska-Radwege beginnen und bis nach Krakow führen, lohnt es sich, über die nächste Etappe der Reise nachzudenken. Man kann geradeaus weiterfahren – bis zum Ende von VeloDunajec und weiter in Richtung Krakow – oder nach rechts nach Osten abbiegen, Richtung Tarnow, das der bequemste Verkehrsknotenpunkt in dieser Gegend ist. Bis nach Wietrzychowice, wo VeloDunajec auf den Weichsel-Radweg trifft, sind es 32 Kilometer Fahrt auf den Hochwasserdämmen des Dunajec. Von dort bleiben noch etwa 90 Kilometer bis nach Krakow. Vom Brückenbauwerk in Ostrow bis zum Bahnhof in Tarnow sind es hingegen nur 7 Kilometer.
Fahrradfreundlicher Ort am Ende der Route
Am äußersten Ende des VeloDunajec-Radwegs, unweit der Stelle, an der er auf den Weichsel-Radweg trifft, befindet sich eine symbolische „Zielmarke“. Dieser informelle Endpunkt wurde von den Gastgebern der ländlichen Pension Kogutowo mit einem Augenzwinkern auf ihrem eigenen Gelände eingerichtet. Kogutowo ist ein ehemaliger Bauernhof, der zu einer schlichten Unterkunft umgestaltet wurde und seinen einfachen, ländlichen Charakter bewahrt hat. Luxus sucht man hier vergeblich, doch Radfahrende finden ein trockenes und warmes Dach über dem Kopf in authentischen, historischen Räumen sowie die Möglichkeit, ihre Fahrräder sicher unterzustellen. Es handelt sich außerdem um eines der offiziell ausgewiesenen fahrradfreundlichen Quartiere, worauf die Gastgeber unter anderem mit einem farbigen Neonzeichen stolz hinweisen.
Der größte Ort von Massenexekutionen
Und als meine Gedanken gegen Ende der Route bereits beim schönen Marktplatz von Tarnow waren und ich das Gefühl genoss, eine so großartige Strecke entlang des Dunajec voller landschaftlicher Eindrücke gefahren zu sein, hielt mich Zbylitowska Gora unerwartet an. Im nahegelegenen Wald befindet sich der größte Ort von Massenexekutionen in Polen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, dominiert von einem mehrere Meter hohen Denkmal für die Opfer des Nazi-Terrors. Man geht davon aus, dass hier bis zu etwa 10.000 Opfer begraben sind, überwiegend Juden aus Tarnow und den umliegenden Ortschaften. Die Hinrichtungsstätte wurde aus der Stadt verlegt, weil in Tarnow selbst der Platz für weitere Bestattungen der von den Nationalsozialisten Ermordeten in Massengräbern ausging. Die Umrisse dieser Gräber sind im Wald noch heute deutlich sichtbar. An den Zäunen einiger Grabstätten hängen israelische Fahnen, hinterlassen von jüdischen Besuchern, darunter auch Teilnehmer der alljährlichen Galizischen Jüdischen Gedenktage, die hier jedes Jahr beginnen.
Zuerst die Bima, dann der Kirkut in Tarnow
Zbylitowska Gora gab meinem Besuch in Tarnow einen starken jüdischen Kontext. Keine Stunde später stand ich bereits an der Tarnower Bima – dem Überrest der gesprengten Alten Synagoge, der auf mich jedes Mal einen starken Eindruck macht. Eine spontane Frage nach der hebräischen Inschrift über dem nahegelegenen Informationspunkt führte zu einem entspannten Gespräch mit einem freundlichen Mann mit Hut. Aus einem Wort wurde das nächste, und es stellte sich heraus, dass es Adam Bartosz war – eine besonders verdiente Persönlichkeit bei der Bewahrung des Andenkens an die jüdische und Roma-Kultur von Tarnow, Gründer der Galizischen Jüdischen Gedenktage sowie auch des Internationalen Roma-Gedenktabors, von dem wir bei einem früheren Radbesuch in Tarnow gelesen hatten. Danke, gütiges Schicksal, dass du mir solche Menschen auf den Weg stellst.
Nach meinem Gespräch mit Herrn Adam besuchte ich auch den jüdischen Friedhof in Tarnow – einen der ältesten jüdischen Friedhöfe in Südpolen, auf dem rund 11.000 Juden aus Tarnow und der Umgebung begraben sind. In den vergangenen zwei Jahren wurden hier umfangreiche Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt: Es entstanden neue Wege, Zäune und Beleuchtung, außerdem wurden mehrere Dutzend ausgewählte Mazewot restauriert. Heute gehört dieser Friedhof zu den am besten gepflegten jüdischen Friedhöfen in Polen. In Verbindung mit der für viele polnische Besucher noch immer ungewohnten Atmosphäre einer jüdischen Nekropole macht ihn dies zu einem der wichtigsten Orte, die man in Tarnow und entlang der gesamten VeloDunajec-Route sehen sollte. Solche Orte erinnern uns bis heute auf eindringliche Weise daran, wie kulturell vielfältig Polen noch vor nicht allzu langer Zeit war.
Ein Spaziergang durch die Altstadt von Tarnow versetzte uns in die Atmosphäre einer der schönsten Renaissancestädte Polens. Das Rathaus in der Mitte des sanft ansteigenden Marktplatzes leuchtete im Licht der untergehenden Sonne, das zugleich den Turm mit der ältesten noch funktionierenden Turmuhr in Małopolska beleuchtete. Der dem Krakauer Tuchhallen-Dach nachempfundene Dachaufsatz verrät die unregelmäßige Form des dahinter verborgenen Dachs erst bei genauerem Hinsehen – auch aus der Perspektive einer Drohne. Die Arkaden der den Markt umgebenden Bürgerhäuser lagen bereits im Schatten, während immer mehr Einwohner auf dem Platz erschienen und unter den hellen Schirmen der Straßencafés nach den letzten freien Tischen suchten.
Den Dunajec mit einem Radtourenveranstalter entdecken
Die Dunajec-Route ist seit Langem eine beliebte Wahl im Angebot von Radtourenveranstaltern. Einer von ihnen ist unser Partner Bird Service, der eine erweiterte Variante der Reise entlang des Dunajec anbietet. Neben der Hauptroute umfasst sie auch einen Start in Zab – dem höchstgelegenen Dorf Polens – sowie eine Fahrt durch Chocholow, Kacwin und Rytro. Das klingt nach einem sehr reizvollen Plan für einen Radurlaub, der sich zusätzlich mit einer Bergwanderung oder einer Rafting-Tour bereichern lässt. Und für alle, die lieber im eigenen Tempo unterwegs sind, bleibt VeloDunajec eine dieser Radrouten, die man eines Tages einfach von Anfang bis Ende fahren muss. Und dann noch einmal zurückkehren – diesmal ganz ohne Eile –, um wirklich zu spüren, wie gut diese Route gebaut wurde und welche wichtige Rolle sie heute für die Entwicklung eines reifen Radtourismus in Polen spielt.
Back to topHave a safe ride! 💚
Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places, and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.
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