Den Elberadweg erkunden: von Dresden nach Magdeburg
Der Elberadweg ist Deutschlands beliebtester Radweg und einer der populärsten im ganzen Land. In diesem Jahr feiert er sein 30-jähriges Jubiläum - ein guter Anlass, um zu schauen, wie es der Königin der deutschen Radfernwege heute geht und wie drei Jahrzehnte ihre Qualität, ihren Komfort und ihre Organisation geprägt haben. An einem langen Maiwochenende sind wir einen der meistgewählten Abschnitte gefahren - haben unterschiedliche Oberflächen getestet, in fahrradfreundlichen Unterkünften übernachtet und bereits zu Monatsbeginn fast sommerliche Temperaturen genossen. Gestartet sind wir im schönen Dresden und folgten der Route über Meißen, Torgau, Wittenberg und Dessau-Roßlau bis nach Magdeburg.
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Route on the map
GPX file (GPS track): cyclingthread.com-elbe-2025.gpx
Der Elberadweg - Inhaltsverzeichnis
- Elbe - einer der beliebtesten in Europa
- Ideal für Radurlaube oder Wochenendtouren
- Gute Erreichbarkeit mit deutschen Zügen
- Ein hervorragendes kostenloses Roadbook für Radfahrende
- Eine Traumstadt für den Start einer Radtour
- Nummer eins - das Historische Gruene Gewoelbe
- Die kuerzlich wiederaufgebaute Frauenkirche
- Militärgeschichte, Autos, Kultur und Verkehr
- Die ersten Kilometer auf dem Elberadweg
- Malerische Lage am Schloss Wackerbarth
- Ein komplettes Mosaik an Untergruenden unter den Reifen
- Auch Caspar David Friedrich malte die Elbe
- Walpurgisnacht auf der Burg in Meissen
- Ein perfekter Tagesausklang an der Elbe
- Die beste Uebernachtung auf dem Elberadweg
- Wo der boese Bruder auf die Elbe blickte
- Schloss Seußlitz nur wenige Schritte von der Route entfernt
- Eine Route mit wunderbar sanftem Charakter
- Radwege auf beiden Seiten des Flusses
- Eine historische Windmühle und ein alter Drehkran
- Stahlindustrie und eine historische Begegnung
- Deutschlands erste Radfahrerkirche
- Radfahren durch das Biosphaerenreservat Mittelelbe
- Jahrhunderte Geschichte im ruhigen Torgau
- Altarme und Auenwälder entlang der Elbe
- Sie wollen keine Mauern - sie wollen Flussidentität
- Wittenberg - gleich hinter Dresden auf Platz zwei
- Fahrradfreundliche Hotels am Elberadweg
- Die absolut bezaubernden Dessau-Wörlitzer Gärten
- Bauhaus: revolutionäres Design in Dessau-Roßlau
- Drei UNESCO-Welterbestätten an einem Tag
- Dessau-Roßlau reißt Wohnblocks ab
- Der Rotmilan - Wächter der Elbe
- Betonbarrieren schützen den Wald
- Kleine Burgen und Schlösser entlang der Route
- Ein außergewöhnliches Hochwasserschutzbauwerk
- Magdeburg ließ uns mit gemischten Erwartungen zurück
- Die Grüne Zitadelle im starken Kontrast zum Dom
- Vorbildliche deutsche Radwegweisung
- Elberadweg ist Teil von EuroVelo 7
- Der Elberadweg bereichert
Elbe - einer der beliebtesten in Europa
Der Elberadweg gehört auch zu den beliebtesten Radwegen in ganz Europa. Er verläuft über rund 1200 Kilometer entlang der Elbe - von ihrer Quelle im tschechischen Riesengebirge bis zu ihrer Mündung in der deutschen Stadt Cuxhaven an der Nordsee. Insgesamt bietet der Elberadweg eine sehr abwechslungsreiche Landschaft - von Gebirgstälern in Tschechien und Süddeutschland über malerische Weinberge bis hin zu weiten Tieflandgebieten und dem Küstenraum im Norden. Wie so oft in Deutschland ist die Route gut ausgeschildert und leicht zu navigieren. Wie bei allen großen Flussrouten ist der Elberadweg größtenteils flach und für Radfahrerinnen und Radfahrer aller Erfahrungsstufen geeignet, auch wenn... dazu später im Artikel mehr. Der Elbe Cycle Route ist zudem für seine sehr gute touristische Infrastruktur bekannt - dazu gehört nicht nur Bett+Bike, das bundesweite Netzwerk fahrradfreundlicher Unterkünfte, sondern auch ein kleineres Netzwerk speziell für Gastgeber direkt an der Elbe.
Ideal für Radurlaube oder Wochenendtouren
Der Elberadweg eignet sich hervorragend für eine längere Radreise, ist dank guter Bahn- und Straßenanbindungen aber ebenso ideal für kürzere Radurlaube in Deutschland oder sogar für Wochenendtouren mit dem Fahrrad. Die Städte entlang der Elbe bieten dafür ganz natürlich praktische und interessante Routenoptionen. Der erste Abschnitt ab der Quelle führt von Prag (zunächst entlang der Moldau) nach Dresden (rund 240 km) - größtenteils auf tschechischer Seite, durch den eindrucksvollen Elbe-Canyon und die Sächsische Schweiz. Die nächste Etappe - von Dresden nach Magdeburg (etwa 300 km) - ist der Abschnitt, der in diesem Artikel beschrieben wird. Danach folgt eine besonders wochenendtaugliche Variante: von Magdeburg nach Wittenberge (nicht zu verwechseln mit Luthers Wittenberg) im Norden Brandenburgs (rund 150 km), an beiden Enden gut an Berlin angebunden. Und schließlich gibt es noch die Etappe von Wittenberge nach Hamburg (etwa 190 km) - mit der Möglichkeit, die Tour bis zur Nordsee zu verlängern und an EuroVelo 12, die Nordsee-Route, anzuschließen.
Gute Erreichbarkeit mit deutschen Zügen
Du kannst dein Elberadweg-Abenteuer im Süden Deutschlands sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto beginnen. Entscheidest du dich für die Bahn, ist die Mitnahme des Fahrrads unkompliziert - alle Regionalzüge nehmen Fahrräder mit, eine Reservierung ist nicht erforderlich. Auch die Anreise mit dem Auto nach Dresden (oder Magdeburg) ist problemlos, und die Rückfahrt zum Ausgangspunkt, an dem das Auto steht, ist dank eines schnellen InterCity-Zuges der Deutschen Bahn einfach organisiert. Dieser doppelstöckige Fernverkehrszug verbindet Dresden und Magdeburg in weniger als drei Stunden und verfügt über ein geräumiges, komfortables Fahrradabteil für bis zu sechs Fahrräder. Wichtig zu wissen: Für diesen Zug sind Sitzplatz- und Fahrradreservierungen erforderlich.
Ein hervorragendes kostenloses Roadbook für Radfahrende
Eine große Hilfe bei der Reiseplanung ist die offizielle Website www.elberadweg.de. Und unterwegs lohnt es sich unbedingt, den sehr gut gestalteten, kostenlosen Elberadweg-Guide dabei zu haben, der zugleich als Radatlas dient. Dieses handliche Büchlein, ideal für eine Lenkertasche mit Kartenfach, umfasst über 100 Seiten mit Routeninformationen - von allgemeinen Hinweisen und einer Liste fahrradfreundlicher Unterkünfte bis hin zu detaillierten Karten. Besonders die Karten überzeugen: Sie zeigen nicht nur den exakten Verlauf der Route auf beiden Elbufern, sondern auch klar markierte Entfernungen, Verbindungen zu anderen Radwegen sowie die Lage von Unterkünften, Restaurants und Sehenswürdigkeiten. Zusätzlich enthält der Guide einen QR-Code, der zu einer Webseite mit aktuellen Informationen zu Baustellen und Umleitungen führt. Ein wirklich wertvolles Hilfsmittel für jede Tour - und kostenlos.
Eine Traumstadt für den Start einer Radtour
Dresden ist einer dieser Traumorte, um eine Radtour zu beginnen. Vielleicht sogar einer der spannendsten - abwechslungsreich, mit Sehenswürdigkeiten von echtem kulturellem Wert. Wenn du etwas mehr Zeit hast und dich nicht ausschließlich auf das Fahren des Elberadwegs konzentrierst, lohnt es sich sehr, vor dem Start 2-3 Tage in Dresden zu verbringen. Und obwohl die Stadt über eine halbe Million Einwohner zählt, liegen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf vergleichsweise engem Raum - darunter auch die rekonstruierte Altstadt. Viele davon haben wir bereits in unserem ersten Reisebericht von der Tour durch das Dresdner Elbland besucht und beschrieben.
Nummer eins - das Historische Gruene Gewoelbe
Die wichtigste Sehenswürdigkeit in Dresden ist das Historische Gruene Gewoelbe im Residenzschloss - eine der aeltesten und reichsten Sammlungen von Juwelen und Kunsthandwerk in Europa. Sie beherbergt unbezahlbare Meisterwerke der Goldschmiedekunst, koenigliche Insignien sowie kunstvoll gefertigte Objekte aus Gold, Silber, Elfenbein und Bernstein. Zu den Schaetzen gehoeren mit Smaragden und Rubinen besetzte Praeunkelgefässe, die einst den maechtigsten Monarchen vorbehalten waren. Die Ausstellung wurde nach der Vision des 18. Jahrhunderts von August dem Starken, Kurfuerst von Sachsen, rekonstruiert, der hier ein barockes "Kunstkammer"-Konzept verwirklichte. Die Sammlung beeindruckt nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre Inszenierung - Besucher bewegen sich durch praezise restaurierte Raeume, in denen jedes Objekt gezielt beleuchtet wird. Eine fruehzeitige Ticketbuchung ist empfehlenswert, da die taegliche Besucherzahl begrenzt ist.
Die kuerzlich wiederaufgebaute Frauenkirche
Die Dresdner Altstadt ist ein Juwel barocker Architektur - auch wenn vieles von dem, was wir heute sehen, das Ergebnis einer aufwendigen Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg ist. Das Symbol dieses Prozesses ist die evangelische Frauenkirche - eine monumentale Kirche mit einer markanten steinernen Kuppel, die ueber Jahrhunderte die Silhouette der Stadt praegte. Erbaut zwischen 1726 und 1743 nach einem Entwurf von George Baehr, galt die Frauenkirche als Meisterwerk protestantischer Architektur und als eine der groessten steinernen Kuppelbauten Europas. In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurde die Kirche bei einem alliierten Luftangriff vollstaendig zerstoert, und ihre Ruine blieb jahrzehntelang als Mahnmal erhalten. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung begann der umfassende Wiederaufbau, der 2005 abgeschlossen wurde.
Dresden ist auch berühmt für seine spektakuläre Silhouette der Altstadt, die sich am besten am Abend vom gegenüberliegenden Elbufer aus betrachten lässt. Je nach Jahreszeit beleuchtet die Sonne die Wahrzeichen der Stadt aus unterschiedlichen Höhen und Winkeln und schafft so jeden Tag eine neue Mischung aus Farben und Stimmungen. Die Skyline wird geprägt von der mächtigen Kuppel der Frauenkirche und dem schlanken Turm der katholischen Hofkirche. In unmittelbarer Nähe stehen das klassizistische Albertinum, die markante Silhouette der Semperoper und der barocke Zwinger. Diese harmonische Abfolge monumentaler Bauwerke, die sich in der Abenddämmerung im ruhigen Wasser der Elbe spiegelt, brachte Dresden den Beinamen „Florenz an der Elbe“ ein. Dieses Stadtbild wurde im 18. Jahrhundert von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto - Hofmaler Augusts III. -, verewigt, dessen detailreiche Veduten bis heute ein wertvolles Zeugnis der historischen Architektur Dresdens sind.
Militärgeschichte, Autos, Kultur und Verkehr
Dresden bietet auch weniger bekannte Attraktionen, die wir bei unserer ersten Reise durch das Dresdner Elbland erkundet haben. Zu den Highlights zählt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr - eine moderne, mutige Institution mit einem markanten keilförmigen Eingang nach einem Entwurf von Daniel Libeskind, die die Geschichte bewaffneter Konflikte aus einer kritischen Perspektive präsentiert. Ein weiteres interessantes Erlebnis ist die Gläserne Manufaktur von Volkswagen, in der früher luxuriöse Phaetons montiert wurden und heute Elektro-Golfs entstehen und die Zukunft der Mobilität gezeigt wird. Ebenfalls sehenswert ist das Panometer Dresden - ein riesiges 360°-Panorama von Yadegar Asisi in einem ehemaligen Gasometer, das Besucher in das historische Dresden eintauchen lässt. Abgerundet wird das Angebot durch das Verkehrsmuseum Dresden - eine überraschende Verbindung aus dem barocken Johanneum und einer modernen Ausstellung zur Geschichte des Straßen-, Schienen-, Wasser- und Luftverkehrs.
Die ersten Kilometer auf dem Elberadweg
Die ersten Kilometer auf dem Elberadweg führen durch das Elbufergebiet von Dresden - vorbei an modernen Wohnvierteln, kleinen Industrieflächen und dann allmählich durch immer mehr Grün und offene Landschaften, wobei der Fluss zunehmend zum wichtigsten Orientierungspunkt wird. Mal fahren wir direkt am Wasser entlang, mal mit etwas Abstand, doch der gemächliche Rhythmus der Elbe bleibt stets präsent. Auffällig ist die große Zahl an Radfahrenden - in allen erdenklichen Varianten. Von Einheimischen auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit bis hin zu Gästen, die kürzere oder längere Radtouren genießen. Auf Stadträdern, Mountainbikes, Rennrädern, Gravelbikes - und natürlich auf Reiserädern, elektrisch oder klassisch.
Rund um Dresden faellt es schwer, richtig Tempo aufzunehmen - zu viele interessante Orte laden immer wieder zum Anhalten ein. Gleich hinter der Stadt liegt Radebeul mit dem Karl-May-Museum, das dem Autor gewidmet ist, dessen Wildwest-Romane Generationen von Radreisenden mit einer Faszination fuer die amerikanische Frontier gepraegt haben. Etwas weiter folgt Altkötzschenbroda - ein charmantes historisches Viertel von Radebeul, bekannt fuer seine intime Atmosphaere und seinen kuenstlerischen Charakter. Enge Gassen, restaurierte Fachwerkhaeuser, flach ansteigende Weinberge und kleine Galerien schaffen eine ruhige Kulisse, ideal fuer einen entspannten Spaziergang. Im Zentrum liegt ein kleiner Platz mit Cafes und Weinstuben, die regionale Weine aus dem Elbtal ausschenken. Altkötzschenbroda ist regelmaessig Schauplatz von Festen, Maerkten und kulturellen Veranstaltungen und zieht Einheimische ebenso an wie Gaeste auf der Suche nach authentischer saechsischer Stimmung. Der Ort liegt fast direkt an der Route - ein kurzer Abstecher lohnt sich auf jeden Fall.
Malerische Lage am Schloss Wackerbarth
Von Altkötzschenbroda aus fuehrt auch der kuerzeste und vermutlich bequemste Abstecher von der Route zum Schloss Wackerbarth, ebenfalls in Radebeul gelegen. Das barocke Ensemble mit seinem gepflegten Garten und den Weinbergen am Hang ist nicht nur ein historischer Adelssitz, sondern zugleich ein modernes Weingut und ein Zentrum des Weintourismus - vielleicht sogar ein Symbol fuer Sachsen. Du kannst an einer Weinprobe teilnehmen, ein Glas auf der Sommerterrasse geniessen, die Keller besichtigen oder einfach im Garten mit Blick auf die Reben entspannen. Benannt ist das Schloss nach Christian von Wackerbarth - Diplomat und Kunstfoerderer am Hofe Augusts des Starken - und bis heute verbindet der Ort die Eleganz vergangener Zeiten mit der lebendigen Kultur des saechsischen Weinbaus. Ein Ziel, das einen kurzen Abstecher von der Hauptroute definitiv wert ist.
Ein komplettes Mosaik an Untergruenden unter den Reifen
Danach geht es direkt weiter in das wunderschoene Meissen. Doch bevor wir die Stadt selbst erreichen, lohnt sich ein Blick auf die Wegbeschaffenheit - denn schon auf diesem kurzen Abschnitt bekommt man ein gutes Gefuehl dafuer, wie sich das Fahren auf dem Elberadweg wirklich anfuehlt. Wir waren erstaunt, wie oft die Elbe Route ueber... Kopfsteinpflaster fuehrt. Gutes Kopfsteinpflaster - sauber verlegt, kleinformatig und gut fahrbar - aber eben doch Pflaster. Und sobald es endete, fanden wir uns haeufig auf Behaton wieder, also Betonverbundpflaster, das oft auf Wegen entlang der Hochwasserschutzdaemme der Elbe verwendet wird. Das ist der Charakter dieser 30 Jahre alten Koenigin der Elbe - drei Jahrzehnte Geschichte, die sich nicht so einfach in glatten, modernen Asphalt verwandeln lassen. Und trotzdem - ueberraschenderweise - haben wir uns schnell an dieses Mosaik aus Untergruenden gewoehnt und vielleicht sogar begonnen, es zu moegen.
Auch Caspar David Friedrich malte die Elbe
Der Elbabschnitt zwischen Dresden und Meissen schlängelt sich gemächlich durch sanfte Hügel, Weinberge und barocke Städte - fast wie ein gemaltes Bild. Kein Wunder, dass diese Landschaften Caspar David Friedrich inspirierten, den Meister der deutschen Romantik, der aus scheinbar gewöhnlichen Motiven tiefe Emotionen und spirituelle Reflexion herausarbeiten konnte. Obwohl er vor allem für seine Darstellungen von Bergen, Meeren und einsamen Figuren vor endlosen Horizonten bekannt ist, war auch das Elbtal - mit seinem weichen Licht, morgendlichem Nebel und dem ruhigen Fluss - ein Ort der Kontemplation für ihn. Wenn man heute diesen Abschnitt des Elberadwegs befährt, lässt sich dieselbe Ruhe und Konzentration spüren, die Friedrich in seinen Werken so eindrucksvoll festgehalten hat.
Walpurgisnacht auf der Burg in Meissen
Der Blick auf Meissen von der schmalen Fuss- und Radbruecke, die den Elberadweg ueber die Elbe fuehrt, gehoert zweifellos zu den schoensten in Deutschland. Die Altstadt steigt sanft entlang kopfsteingepflasterter Gassen hinauf zur Albrechtsburg. Diese maechtige Burg thront ueber der Stadt - zugleich elegant und imposant, mit ihren markanten Tuermen und der steilen Dachlinie, die den Himmel zu durchschneiden scheint. Hier wurde das europaeische Porzellan geboren - in der Burg befand sich die erste Manufaktur, aus der spaeter die beruehmte Fabrik am Stadtrand hervorging. Von den Aussichtspunkten der Burg aus ist das Panorama bezaubernd - Fachwerkhaeuser, enge Gassen und gemuetliche Weinstuben schaffen eine Atmosphaere, die zum Verweilen einlaedt. Meissen begeistert mit seinen Details - reich verzierte Fassaden, Skulpturen, historische Tafeln und einem entspannten Lebensrhythmus, der schnell ansteckend wirkt.
Unser Aufstieg zur Burg und zum Dom St. Johannis und St. Donatus - einem integralen Bestandteil des Burgensembles - fuehrte ueber eine gewundene Kopfsteinpflasterstrasse, fast wie eine Gebirgsschlange. Oben erwartete uns eine hohe Steinbruecke, direkt neben einem Terrassenrestaurant, und dahinter der Burghof. Dort stiessen wir auf eine Ueberraschung: In Deutschland wurde gerade die Walpurgisnacht gefeiert, das traditionelle Fruehlingsfest in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. In Sachsen und anderen Regionen ist sie mit Veranstaltungen unter freiem Himmel verbunden - mit Feuern, Hexenkostuemen, Live-Musik und einem symbolischen Abschied vom Winter. Der Burghof fuellte sich mit festlich gekleideten Besuchern, Staende wurden aufgebaut, der Duft von Gluehwein und gegrillten Wuerstchen lag in der Luft, und von der Buehne erklangen die ersten Takte eines Konzerts.
Ein perfekter Tagesausklang an der Elbe
Als sich der Tag dem Ende neigte, tauchte das warme, kraeftige Licht eines Maiabends den Himmel in satte Farben. Unter diesen malerischen Bedingungen legten wir die letzten Kilometer unseres ersten Radtages zurueck und kniffen die Augen zusammen, waehrend sich die Sonne auf der Wasseroberflaeche der Elbe spiegelte. Langsam liessen wir das Dresdner Elbland hinter uns und passierten die letzten Weinberge des saechsischen Anbaugebiets - eines der kleinsten in Deutschland, aber tief in der deutschen Weinkultur verwurzelt. Und an diesem Abend fanden wir uns mitten in genau dieser Atmosphaere wieder. Unsere Pension wurde von einer Familie gefuehrt, die seit Generationen Trauben anbaut und lokalen Wein herstellt. Es war ohne Zweifel die beste Uebernachtung unserer gesamten Reise.
Die beste Uebernachtung auf dem Elberadweg
Wir haben die Pension von Jan Ulrich in der Liste der fahrradfreundlichen Unterkuenfte Bett+Bike gefunden und ueber Booking.com gebucht. Nach einer ruhigen Nacht in Zimmern mit Blick auf die Elbe und einer kurzen Kostprobe lokaler Weine zusammen mit einer von den Gastgebern vorbereiteten "Winzerplatte" folgte am naechsten Morgen das eigentliche Highlight: ein kleines Glaeschen mit der Aufschrift Wein-Gelee. Dieses Weingelee, hergestellt aus lokalen Trauben und Gelierzucker, entpuppte sich als Star des Fruehstuecks. Auf frischem Brot schmeckte es unvergleichlich - suess, aromatisch und voller regionalem Charakter. Wir hofften spaeter in Magdeburg noch ein Glas als Souvenir zu finden, doch selbst in den groessten Supermaerkten hatte niemand davon gehoert. Wenn du hier uebernachtest und dich ebenfalls verliebst, kaufe am besten gleich ein Glas direkt beim Weingut - du wirst es nicht bereuen.
Wo der boese Bruder auf die Elbe blickte
Eine der bemerkenswertesten Besonderheiten der Unterkunft von Jan Ulrich ist ihre Lage. Hoch ueber der Elbe erhebt sich eine massive Felswand, Teil eines Huegels namens Goldkuppe. Bis in die 1970er-Jahre befand sich hier ein Steinbruch, und die Felsformation war einst fuer eine natuerliche Gestalt bekannt, die an ein menschliches Gesicht erinnerte - den sogenannten Boesen Bruder. Einer lokalen Legende zufolge verliebten sich zwei Brueder in dasselbe Maedchen. Sie erwiderte die Gefuehle nur eines von ihnen und wies den anderen zurueck. Der verschmaehte Bruder stiess daraufhin seinen Rivalen von der Klippe, und als ihm bewusst wurde, was er getan hatte, erstarrte er vor Entsetzen zu Stein. Leider wurde das Gesicht des Boesen Bruders bereits in den 1930er-Jahren durch den fortgesetzten Steinabbau zerstoert, doch diese Elbkurve zaehlt bis heute zu den malerischsten Abschnitten des Elberadwegs.
Schloss Seußlitz nur wenige Schritte von der Route entfernt
Gleich um die Ecke, hinter dem felsigen Rand des Goldkuppe-Huegels, liegt das barocke Schloss Seußlitz, umgeben von terrassierten Gaerten mit Blick auf die Elbe. Einst Sommerresidenz der Bischöfe von Meissen, faellt dieses elegante Schloss schon von weitem ins Auge. Errichtet Ende des 17. Jahrhunderts nach Entwuerfen des renommierten Architekten Wolfgang George Hirschfeldt, erinnert seine Architektur an franzoesische Residenzen aus der Zeit Ludwigs XIV. Heute dient es als Standesamt und Veranstaltungsort fuer kulturelle Ereignisse, doch der Innenhof und der Park sind zugaenglich. Ein kurzer Stopp lohnt sich auf jeden Fall - nicht zuletzt, weil das Schloss nur wenige hundert Meter vom Radweg am Fluss entfernt liegt.
Eine Route mit wunderbar sanftem Charakter
In diesem Abschnitt enden die steilen Haenge und hohen Felsen des Dresdner Elblands. Ab hier nimmt die Route einen ruhigeren, entspannteren Charakter an, der mindestens bis Magdeburg anhält. Und auch wenn der Elberadweg groesstenteils flach verlaeuft, bedeutet das keineswegs Eintoenigkeit - Richtungswechsel und wechselnde Untergruende sorgen immer wieder fuer Abwechslung. Auffallend werden zudem die immer weiter werdenden Auenlandschaften - breite, flache Terrassen, die durch Jahrhunderte von Hochwassern entstanden sind. Diese offenen Raeume geben der Landschaft Weite und erinnern zugleich an den natuerlichen Rhythmus der Elbe, der diese Region seit Generationen praegt.
Radwege auf beiden Seiten des Flusses
Eines der markantesten und eher seltenen Merkmale der Elbe Route - und etwas, das man auf anderen Flussrouten in Europa nur selten findet - ist die Tatsache, dass der Elberadweg über weite Strecken auf beiden Ufern der Elbe verläuft. Für Radfahrende bedeutet das eine außergewöhnlich praktische Flexibilität bei der Routenplanung - je nach Tagesform, Sonneneinstrahlung, Wind, Untergrund oder Sehenswürdigkeiten lässt sich frei entscheiden, welche Seite besser passt. Wege auf beiden Ufern machen es außerdem leicht, Rundtouren zu planen, ohne denselben Abschnitt zweimal fahren zu müssen - ideal sowohl für Tagesausflüge als auch für längere Reisen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Fährverbindungen - oft schon für sich ein kleines Erlebnis und eine willkommene Pause mit Blick auf den Fluss.
Unsere fünftägige Tour entlang der Elbe wurde von den kürzesten Verbindungen zwischen den Orten und Flussabschnitten bestimmt, die wir besuchen wollten. Dadurch ergab sich eine recht zufällige Mischung aus Straßen und Untergründen auf beiden Seiten des Flusses - was eine ehrliche und unverfälschte Einschätzung der Gesamtqualität des Elberadwegs ermöglichte. Tatsächlich bestand der Großteil der Strecke aus sehr guten, asphaltierten Radwegen mit hohem Fahrkomfort. Viele davon verlaufen zudem durch attraktive Landschaften - direkt am Fluss - und verleihen dem Elberadweg ein sehr natürliches, organisches Gefühl. Beeindruckend sind nicht nur die glatten Oberflächen, sondern auch die Art, wie die Route in die Landschaft eingebettet ist - ohne unnötige Barrieren oder Umwege. Genau so stellen sich Radreisende das Erkunden neuer Regionen in einem ruhigen, genussvollen Tempo vor.
Eine historische Windmühle und ein alter Drehkran
Auf diesem Abschnitt des Elberadwegs passieren wir zwei bemerkenswerte Zeugnisse der industriellen und landwirtschaftlichen Vergangenheit der Region. Das erste ist der markante Turmdrehkran des ehemaligen Dampfsägewerks Merschwitz - ein drehbarer Kran aus dem Jahr 1876, der einst dazu diente, Holz aus dem Sägewerk direkt auf Elbkähne zu verladen. Er ist zwar nicht mehr in Betrieb, wurde jedoch sorgfältig restauriert und als technisches Denkmal erhalten. Einige Kilometer weiter fällt der Blick auf die Windmühle im Dorf Grödel - im 19. Jahrhundert erbaut, heute liebevoll restauriert und zu einem Wohnhaus umgebaut. Beide Bauwerke fügen sich hervorragend in die Flusslandschaft ein und verleihen der Radtour zusätzlichen Charakter. Der alte Kran steht etwas landeinwärts auf der linken Seite, daher lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Die Windmühle hingegen erhebt sich eindrucksvoll direkt vor dem Radweg.
Stahlindustrie und eine historische Begegnung
Die Städte Riesa und Strehla sahen wir vom gegenüberliegenden Elbufer aus - so ergab sich einfach unser Routenverlauf, und wir entdeckten unterwegs keine Attraktionen, die einen Seitenwechsel gerechtfertigt hätten. Dennoch lohnt es sich zu wissen, dass Riesa über Jahrzehnte ein bedeutendes Zentrum der Schwerindustrie war - insbesondere der Stahlproduktion, was bis heute auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Stahl- und Walzwerks sichtbar ist. Nur wenige Kilometer weiter, praktisch gleich nebenan, liegt Strehla, eine der ältesten Städte in Sachsen, deren Ursprünge bis ins frühe Mittelalter zurückreichen. Strehla wirkt ruhig und provinziell, schrieb jedoch Geschichte als tatsächlicher Ort der ersten Begegnung zwischen amerikanischen und sowjetischen Truppen im April 1945 - auch wenn die offizielle Erzählung meist das nahe gelegene Torgau nennt. In der Umgebung von Strehla nahmen Soldaten der 69. US-Infanteriedivision einen Tag vor dem symbolischen Handschlag auf der Brücke in Torgau erstmals Kontakt mit Einheiten der Roten Armee auf. Für Radfahrende entlang der Elbe ist dies ein weniger bekanntes, aber faszinierendes Kapitel aus dem Ende des Zweiten Weltkriegs, das man im Hinterkopf behalten kann.
Deutschlands erste Radfahrerkirche
Auf dem Weg nach Torgau fiel uns die Kirche im Ort Wessnig auf - genauer gesagt das gelbe Schild davor. Es weist auf eine deutsche Radfahrerkirche hin. Diese hier, direkt am Elberadweg gelegen, war im Jahr 2003 die erste Kirche in Deutschland, die offiziell für Radfahrende geöffnet wurde. Das bedeutet, dass sie den größten Teil des Tages offensteht und Reisenden einen Moment der Ruhe bietet, einen schattigen Platz zum Ausruhen, die Möglichkeit, Fahrräder abzustellen, und manchmal auch Zugang zu Wasser oder Informationsmaterial. Es ist eine praktische und zugleich symbolische Geste - eine Einladung an alle, die sich für eine langsamere, bewusstere Art des Reisens entscheiden, so wie es der Elberadweg nahelegt.
Radfahren durch das Biosphaerenreservat Mittelelbe
Einer der groessten Hoehepunkte des Elberadwegs zwischen Dresden und Magdeburg ist das Biosphaerenreservat Mittelelbe. Die Route fuehrt durch das groesste zusammenhaengende Auenwaldgebiet Mitteleuropas mit einer Flaeche von rund 430 km². Es handelt sich um ein Gebiet von aussergewoehnlichem oekologischen Wert, in dem einige der letzten naturnahen Auenwaelder im Einzugsgebiet der Elbe erhalten geblieben sind. Das Reservat verzaubert mit Flusswiesen, stillen Altarmen und jahrhundertealten Eichen - mit jeder Flussbiegung scheint sich die Landschaft leicht zu veraendern. Hier leben ueber 1.000 Pflanzenarten, 250 Vogelarten, 130 Bienenarten und rund 50 Libellenarten. Bereits 1979 wurde das Gebiet als UNESCO-Biosphaerenreservat ausgewiesen und zaehlt damit zu den aeltesten in Deutschland. Die beispielhafte Verbindung von Naturschutz und nachhaltigem Tourismus macht diesen Abschnitt ideal fuer eine ruhige, naturnahe Radtour.
Jahrhunderte Geschichte im ruhigen Torgau
Bevor man das Zentrum von Torgau erreicht, lohnt sich die Auffahrt ueber die besondere, spiralförmige Rampe hinauf zur Elbbruecke - von dort bietet sich ein perfekter Blick auf den Huegel mit dem maechtigen Schloss Hartenfels sowie auf die Gedenkstaette zur Begegnung amerikanischer und sowjetischer Truppen im April 1945. Eine Gedenktafel und ein kleines Denkmal befinden sich am oestlichen Elbufer direkt an der Bruecke, genau gegenueber dem Schloss. Obwohl der erste Kontakt zwischen den Soldaten tatsaechlich bereits einen Tag zuvor weiter suedlich bei Strehla stattfand, wurde Torgau zum Symbol dieses Ereignisses. Hier fand die offizielle Zeremonie statt, festgehalten auf Fotos und Filmaufnahmen, die spaeter um die ganze Welt gingen.
Torgau ueberraschte uns mit seiner Ruhe und einer bemerkenswert intimen Atmosphaere fuer eine Stadt mit so reicher Geschichte. Im Zentrum liegt ein grosszuegiger Platz vor dem monumentalen Rathaus, dessen Renaissancefassade einen starken Eindruck hinterlaesst und dem Stadtkern eine besondere Würde verleiht. Kaum zu glauben, dass wir hier praktisch keinen anderen Touristen trafen - nur einige wenige Einheimische - und unser Fruehstueck an einem kleinen Baeckereitisch fast in Stille einnahmen, ohne Andrang und ohne Eile. Dieses Gefuehl der Gelassenheit begleitete uns auch beim Besuch von Schloss Hartenfels, das ueber der Stadt thront. Heute beherbergt das Schloss ein Museum zur Geschichte der Region sowie zu Torgaus Rolle als Zentrum der Reformation und als kurfuerstliche Residenz.
Wissenswert ist, dass Torgau eine zentrale Rolle in der Geschichte der Reformation spielte - hier starb Martin Luther, und hier wurde auch seine Frau Katharina von Bora begraben. Die Stadt war zudem zeitweise Residenz der sächsischen Kurfürsten, was die Dimensionen von Schloss Hartenfels und die Existenz der sogenannten Schlosstreppe erklärt - einer außenliegenden Wendeltreppe, die als eine der ersten freitragenden Treppen ihrer Art in Europa gilt. In Torgau wurde außerdem im 16. Jahrhundert die erste speziell für den neuen Glauben errichtete protestantische Kirche eröffnet - die Schlosskapelle, die von Luther persönlich geweiht wurde. Beim Spaziergang durch die ruhigen Straßen der Altstadt ist die Geschichte allgegenwärtig - nicht in Form großer Inszenierungen, sondern als leiser, authentischer Faden, der sich durch Gebäude, Plätze und Fassaden zieht.
Altarme und Auenwälder entlang der Elbe
Der nächste Tag entlang der Elbe verläuft fast vollständig auf ruhigen, untergeordneten Radwegen, wie ich sie bereits zuvor erwähnt habe. Die Route folgt häufig alten Flussläufen, deren Lage überraschen kann - sie tauchen mitunter auf der gegenüberliegenden Seite auf, wo man den Hauptstrom der Elbe vermuten würde. Den Abschnitt zwischen Torgau und Wittenberg habe ich wohl als einen der ruhigsten und naturnahsten der gesamten Strecke in Erinnerung. Über lange Distanzen führt der Weg durch Felder, Wiesen und Auenwälder, wo Kraniche oder querende Rehe oft die einzigen Begleiter sind. Auch die Pausen fühlen sich hier anders an - nicht im Café oder an einer Infotafel, sondern unter einem Baum, auf dem Deich, mit Blick auf das Wasser und das umgebende Grün.
Sie wollen keine Mauern - sie wollen Flussidentität
Kurz vor Wittenberg wechselten wir mit einer Fähre in Elster auf das rechte Elbufer. Was wir dort sahen - lange Betonmauern zum Hochwasserschutz direkt am Wasserrand - half uns, die zuvor gesehenen Transparente mit dem Slogan "Wir wollen keine Mauer" besser zu verstehen. Ihre Urheber, Bewohner verschiedener Orte im Elbtal, wenden sich gegen den Bau solcher Betonbarrieren, die die bisher naturnäheren Hochwasserschutzmaßnahmen ersetzen sollen. Sie fürchten den Verlust des Zugangs zum Fluss, eine Beeinträchtigung der Landschaft und Schäden am lokalen Ökosystem. Für viele ist die Elbe mehr als nur ein Fluss - sie ist Teil des Alltags und der eigenen Identität, ein offener Raum, der nicht durch eine Mauer abgeschnitten werden sollte. Doch das spannendste Kapitel zu diesem Thema lag noch vor uns.
Wittenberg - gleich hinter Dresden auf Platz zwei
Wittenberg, offiziell Lutherstadt genannt, entpuppte sich als der zweitinteressanteste und angenehmste Ort unserer gesamten Reise - direkt hinter Dresden. Während Torgau eher leer und verschlafen wirkte, war Wittenberg das komplette Gegenteil - und das, obwohl nur eine Tagesetappe dazwischenlag. Die lebendige Collegienstraße als Hauptachse der Stadt, die gut besuchten Museen und Kirchen, die man in Wittenberg gesehen haben muss, die belebten Cafés, die vollen Restaurants und sogar der bis auf den letzten Platz gefüllte Fahrradraum in unserem Hotel - all das zeichnete das Bild einer Stadt, die lebendig, offen und ausgesprochen fahrrad- und touristenfreundlich ist. Ohne zu zögern nehmen wir Wittenberg in die Liste der Orte auf, zu denen wir in Gedanken gerne zurückkehren.
Wer Wittenberg erkundet, kommt an den Spuren Martin Luthers nicht vorbei - sie verleihen der Stadt ihre ganz eigene Identität. Die beiden wichtigsten Orte sind die Schlosskirche, an deren Tür Luther seine 95 Thesen angeschlagen haben soll, und die Stadtkirche St. Marien, in der er predigte. Beide beeindrucken nicht nur durch ihre historische Bedeutung, sondern auch architektonisch - besonders das Innere der Schlosskirche mit den Gräbern von Luther und Melanchthon. Hohe Gewölbe, gedämpftes Licht und eine reduzierte Gestaltung verleihen dem Raum eine feierliche Ruhe, die zum Innehalten einlädt. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Tafeln, Epitaphe und Details aus der Zeit der Reformation, die sich in der Kirche finden. Auch wenn der Eingang etwas versteckt im Innenhof liegt - und der Besuch kostenpflichtig ist - lohnt sich der Aufwand auf jeden Fall.
Am anderen Ende der historischen Altstadt befindet sich das Augusteum - ein ehemaliges Augustinerkloster, das heute ein Museum zu Martin Luther beherbergt. Hier kann man tief in das Leben des Reformators eintauchen und besser verstehen, wie stark sein Wirken den Lauf der europäischen Geschichte geprägt hat. Derzeit wird der Hauptteil des Museums, Luthers tatsächliches Wohnhaus, saniert. Dafür wurde im benachbarten Augusteum eine temporäre - und sehr gut gestaltete - Ausstellung eingerichtet. Die erweiterte Präsentation beleuchtet nicht nur Luthers persönliches Leben, sondern auch den weiteren historischen Kontext - mit alten Drucken, Porträts seiner Familie, Alltagsgegenständen und liturgischen Objekten aus seiner Zeit. So zeigt sich Luther nicht nur als Theologe, sondern auch als Ehemann, Vater und Bürger seiner Epoche.
Fahrradfreundliche Hotels am Elberadweg
Auch an unsere Übernachtung in Lutherstadt Wittenberg erinnern wir uns gern. Das Hotel Cranach-Herberge, direkt am Marktplatz gelegen, verfügte über einen charmanten historischen Raum, der für Fahrräder hergerichtet war. Natürlich war er komplett belegt - an diesem Abend hatten viele Radreisende denselben Übernachtungsort gewählt. Und wenn wir schon dabei sind, lohnt auch der Hinweis auf ein weiteres fahrradfreundliches Highlight: das Sleep&Go Hotel in Magdeburg. Es ist ein Budgethotel, also ohne unnötigen Luxus, doch der große Fahrradraum im Keller hat uns wirklich beeindruckt - Wandhalterungen rundum erleichterten das sichere Abstellen der Räder, und es gab sogar ein Regal mit Ladegeräten für E-Bikes.
Die absolut bezaubernden Dessau-Wörlitzer Gärten
Ein angenehmer, naturnaher Abschnitt der Route führte uns von Wittenberg nach Dessau-Roßlau - mit einem Stopp im schönen Wörlitz. Genauer gesagt in den Wörlitzer Anlagen, die Teil des weitläufigen Schloss- und Parkensembles sind, das als UNESCO-Welterbe unter dem Namen Dessau-Wörlitzer Gartenreich geführt wird. Es handelt sich um einen der ersten Landschaftsparks Europas, der von den Idealen der Aufklärung inspiriert ist und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Fürst Leopold III. von Anhalt-Dessau angelegt wurde. Der weitläufige Park begeistert mit seiner malerischen Komposition aus Kanälen, Brücken, Pavillons und Tempeln, die mit großem ästhetischem Gespür in die natürliche Landschaft eingebettet sind. Das Radfahren ist in den Gärten nicht erlaubt, doch ein Spaziergang auf den Wegen ist ein reines Vergnügen. Wörlitz strahlt Ruhe und Harmonie aus - ein perfekter Ort für eine Pause, einen entspannten Rundgang oder ein Picknick mit Blick auf das klassizistische Schloss, das sich im Wasser spiegelt.
Die gesamte Anlage von Wörlitz erstreckt sich über rund 112 Hektar, und ein vollständiger Rundgang umfasst mindestens 5 Kilometer - damit zählt sie zu den größten und am besten erhaltenen englischen Landschaftsgärten auf dem Kontinent. Voller Symbolik, verborgener Bedeutungen und architektonischer Überraschungen lädt sie zu einer langsamen, schrittweisen Entdeckung ein. Wir sahen nur einen kleinen Teil des Parks, wo wir am Gotischen Haus landeten, das inzwischen von Pfauen übernommen worden war. Ein gutes Dutzend dieser schönen Vögel hatte das Gelände vollständig für sich beansprucht, saß auf Dächern, Brunnen und Gartenmauern und machte lautstark auf sich aufmerksam. Ihre durchdringenden Rufe hallten durch die Anlagen und bildeten eine ungewöhnliche Klangkulisse für einen Spaziergang zwischen sorgfältig gestalteter Vegetation und romantischer Architektur.
Der Teil der Dessau-Wörlitzer Anlagen, der sich innerhalb von Dessau-Roßlau befindet, hinterlässt einen deutlich zurückhaltenderen Eindruck. Hier ist der Schutzstatus weniger streng - Radfahren ist erlaubt. Die wichtigste Sehenswürdigkeit in diesem Bereich ist das Mausoleum der anhaltischen Fürstenfamilie, ein klassizistischer Bau aus dem frühen 20. Jahrhundert, umgeben von einem ruhigen Waldpark. Der Park liegt zwischen Dessau und dem Elbufer und bildet damit einen natürlichen Abschnitt der Elbe Cycle Route. Dieser Teil der Gartenanlagen wirkt wilder und ungezwungener - Wege führen durch locker angelegte Wiesen und Baumgruppen, und unter den Bäumen findet sich leicht ein schattiger Platz für eine Pause. Auch wenn er nicht so beeindruckt wie Wörlitz, bietet er einen angenehmen Kontrast - eine weniger formale, alltagsnähere Begegnung mit der Natur.
Bauhaus: revolutionäres Design in Dessau-Roßlau
Dessau-Roßlau ist vor allem für etwas ganz anderes bekannt - das Bauhaus. Die Stadt wurde zur zentralen Bühne einer der wichtigsten Revolutionen der Architektur- und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Umzug aus Weimar eröffnete die Bauhaus-Schule hier 1925 ihren neuen Sitz - entworfen von ihrem Direktor Walter Gropius. Die moderne Form des Gebäudes mit Glasfassaden, Stahlkonstruktion und funktionalem Grundriss gilt bis heute als Ikone der Moderne. Im Stadtzentrum steht das Bauhaus Museum, das 2019 eröffnet wurde und die weltweit größte Sammlung von Entwürfen, Möbeln, Zeichnungen und Alltagsobjekten aus dem Umfeld des Bauhauses zeigt. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Designliebhaber - die klare Gestaltung und die visuelle Erzählweise machen das Museum auch für ein breites Publikum gut zugänglich.
Ebenfalls sehenswert ist die Gruppe der Meisterhäuser, ebenfalls von Gropius entworfen, als Wohn- und Arbeitsstätten für Bauhaus-Meister wie Kandinsky, Klee und Feininger. Die klaren geometrischen Formen, Flachdächer, großen Fenster und der reduzierte Stil waren zur Entstehungszeit revolutionär - und beeindrucken bis heute durch ihre Klarheit und architektonische Logik. Ein Besuch im originalen Bauhaus-Gebäude selbst lohnt sich ebenso - einer echten Ikone der modernen Architektur, in der originale Elemente wie die Kantine, der Theatersaal und die Treppenhäuser mit ihren charakteristischen Geländern erhalten geblieben sind. Das gesamte Ensemble hinterlässt einen starken Eindruck - nicht nur als historisches Denkmal, sondern als Vision einer besseren Welt, entworfen in den Zwischenkriegsjahren, die bis heute nachwirkt.
Drei UNESCO-Welterbestätten an einem Tag
Innerhalb nur eines Tages besuchten wir Orte, die zu drei verschiedenen UNESCO-Welterbe-Einträgen gehören - die „Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg“, das „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“ sowie „Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. Mehr noch: Jeder dieser Orte erzählte eine völlig andere Geschichte und beleuchtete einen eigenen Aspekt des regionalen Erbes. Das lutherische Wittenberg führte uns in eine Welt geistiger Umbrüche und religiöser Revolution, die Dessau-Wörlitzer Gärten spiegelten das aufklärerische Ideal einer Harmonie zwischen Mensch und Natur wider, und das Bauhaus in Dessau öffnete ein faszinierendes Kapitel der modernen Architektur- und Designgeschichte. Bemerkenswert ist, wie sich so unterschiedliche Themen - von Religion über Landschaft bis hin zu Gestaltung - in einer einzigen Region und entlang einer einzigen Radroute kreuzen.
Dessau-Roßlau reißt Wohnblocks ab
Bei der Vorbereitung unserer Reise stießen wir auf eine interessante Tatsache: Eines der radikalsten Beispiele für „Stadtschrumpfung“ im Osten Deutschlands findet in Dessau-Roßlau statt - einer Stadt, durch die der Elberadweg führt. Bekannt für seine Bauhaus-Avantgarde, verzeichnete die Stadt in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Bevölkerungsrückgang - allein zwischen 1990 und 2006 verlor Dessau rund 20 Prozent seiner Einwohner. Statt diese Entwicklung zu ignorieren, reagierten die lokalen Behörden mit mutigen Maßnahmen: Hunderte leerstehender Wohnungen wurden abgerissen, die Flächen in gemeinschaftlich geplante Grünräume umgewandelt. Beim Radfahren durch diese Viertel ist der Wandel spürbar: breite Alleen, neu angelegte Plätze, Stille. Das sind keine typischen Vororte - es ist eine Landschaft nach einem demografischen Erdbeben und zugleich ein ehrlicher Versuch, sich an die neue Größe der Stadt anzupassen. Der Elberadweg führt also nicht nur durch schöne Täler und historische Städte, sondern auch durch Orte, an denen sichtbar wird, wie sich das heutige Europa verändert.
Der Rotmilan - Wächter der Elbe
Als wir uns der letzten Fährüberfahrt unserer Route näherten, hörten wir erneut ein vertrautes Rauschen. Über uns zog ein Rotmilan seine Kreise - ein Anblick, der in diesem Teil Sachsens fast schon alltäglich ist. Die Elbregion bietet diesem Greifvogel ideale Bedingungen: eine mosaikartige Landschaft aus Wiesen, Feldern und Baumgruppen, reichlich Beute und ein geringer Einsatz von Chemikalien machen sie zu einem der wichtigsten Brutgebiete des Rotmilans in Europa. Allein in Sachsen leben schätzungsweise über tausend Brutpaare, was die Region zu einer der Hochburgen der Art in Deutschland macht. Eine Begegnung mit diesem Vogel verleiht einem Radtag nicht nur einen besonderen Moment, sondern erinnert auch daran, dass der Elberadweg ein hervorragender Korridor für Naturbeobachtungen ist - lebendig, authentisch und erstaunlich gut im Einklang mit dem menschlichen Leben.
Betonbarrieren schützen den Wald
Etwas später, im Wald, stießen wir auf ein weiteres Beispiel durchdachter Radinfrastruktur - einen großen Betonblock, der quer über den Forstweg zwischen den Fahrspuren platziert ist. Sein Zweck ist klar: Er verhindert effektiv die Durchfahrt privater Autos, lässt aber größere Fahrzeuge der Forstwirtschaft passieren. Für Radfahrende bleibt seitlich ausreichend Platz, zusätzlich kann bei Bedarf ein Tor von den Forstbetrieben geöffnet werden. Interessanterweise kommt eine nahezu identische Lösung auch in der Radregion Westpommern in Polen entlang der Route durch die Westlichen Seenlandschaften zum Einsatz.
Kleine Burgen und Schlösser entlang der Route
In den kleinen Orten Walternienburg und Dornburg besuchten wir zwei ungewöhnliche Bauwerke. Das erste, in Walternienburg, ist eine bescheidene Burganlage mit Ursprüngen im 10. Jahrhundert - ihr steinerner Turm und Reste der einst von einem Wassergraben umgebenen Mauern sind bis heute erhalten. Die Anlage gehörte einst den Erzbischöfen von Magdeburg und diente als wichtiger Kontrollpunkt für Elbüberquerungen. In Dornburg legten wir einen Stopp an einem deutlich größeren Schloss aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ein - einer klassischen barocken Residenz mit repräsentativer Fassade und Landschaftspark. Es wurde auf Initiative der Familie von Hagen errichtet und von Christian Gottfried Hübner entworfen, dem Hofbaumeister des Fürstentums Anhalt-Zerbst. Ursprünglich war ein dreiflügeliger Bau geplant, doch letztlich wurde nur ein Flügel realisiert.
Ein außergewöhnliches Hochwasserschutzbauwerk
Das eindrucksvollste Hochwasserschutzbauwerk, dem wir entlang der Elbe begegnet sind - und auf das wir zuvor bereits angespielt hatten - ist das Pretziener Wehr bei Pretzien, das wir gegen Ende unseres letzten Tages auf der Route erreichten. Dieses beeindruckende Wehr aus dem späten 19. Jahrhundert liegt an der Elbeumflut, einem Nebenarm des Flusses, der bei Hochwasser als Entlastungskanal dient. Das Pretziener Wehr ist das älteste erhaltene Hochwasserschutzbauwerk dieser Art in Deutschland, und zum Zeitpunkt seiner Errichtung war es das größte seiner Art in Europa - es ermöglichte eine kontrollierte Ableitung eines Teils des Elbwassers. Die Anlage besteht aus neun Öffnungen mit einer Gesamtbreite von rund 113 Metern, die jeweils mit 36 Stahltafeln ausgestattet sind, von denen jede etwa 100 Kilogramm wiegt. Während des Hochwassers im August 2002 führte der Kanal bis zu 1.050 m³/s - rund 24 Prozent des gesamten Abflusses der Elbe - und senkte den Wasserstand in Magdeburg um etwa einen halben Meter. Der Ort ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass man bereits im 19. Jahrhundert verstand, Ingenieurskunst mit der Landschaft in Einklang zu bringen - ohne auf massive Betonmauern zu setzen. Seit April 2024 steht das Pretziener Wehr auf der deutschen Tentativliste für das UNESCO-Welterbe.
Magdeburg ließ uns mit gemischten Erwartungen zurück
Magdeburg… Auf den ersten Blick wirkt die Stadt etwas ernüchternd. Um sie wirklich zu schätzen, muss man genauer hinschauen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Magdeburg nahezu vollständig zerstört - alliierte Bombenangriffe legten 1945 das historische Zentrum in Trümmer. Eine geschlossene Altstadt oder mittelalterliche Atmosphäre, wie man sie aus vielen anderen deutschen Städten kennt, fehlt hier. Und doch erhebt sich ein Bauwerk deutlich über die moderne, teils spröde Umgebung: der Dom St. Katharina und St. Mauritius - die älteste gotische Kathedrale Deutschlands und die Grablege von Kaiser Otto I. Der Bau begann 1209 an der Stelle einer früheren romanischen Kirche, die Otto selbst gegründet hatte, um Magdeburg zu einem Zentrum von Macht und Glauben zu machen. Fast 300 Jahre dauerte die Errichtung, und noch heute beeindruckt der Dom durch seine Dimensionen und Details - er ist über 100 Meter lang, die Türme ragen 104 Meter in die Höhe. Im Inneren befinden sich wertvolle mittelalterliche Kunstwerke, darunter eine romanische Statue des heiligen Mauritius - eine der frühesten realistischen Darstellungen eines Schwarzen Menschen in der europäischen Bildhauerei.
Die Grüne Zitadelle im starken Kontrast zum Dom
Einen markanten Gegenpol zur gotischen Kathedrale bildet die Grüne Zitadelle in Magdeburg - ein verspielter, rosafarbener Gebäudekomplex nach einem Entwurf von Friedensreich Hundertwasser. Mit seiner unregelmäßigen Fassade, begrünten Dächern und goldenen Kuppeln wurde das Gebäude 2005 fertiggestellt und ist das letzte Werk des Künstlers. Es beherbergt Wohnungen, ein Hotel, Geschäfte, Cafés, einen Kindergarten und ein Theater, und seine Architektur lehnt gerade Linien zugunsten organischer Formen und einer stärkeren Verbindung zur Natur ab. Die Grüne Zitadelle ist zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Magdeburgs geworden - ein mutiges Beispiel dafür, wie Kunst das Stadtbild neu prägen kann. Technikbegeisterte kommen zudem an der Kanalbrücke Magdeburg auf ihre Kosten - Europas größter Wasserstraßenbrücke, auf der Wasser tatsächlich… über einen Fluss fließt.
Vorbildliche deutsche Radwegweisung
Zum Schluss eines meiner Lieblingsthemen - die Radwegweisung. Wenn man über eine der wichtigsten Radfernrouten Deutschlands schreibt, muss das exzellente Beschilderungssystem hervorgehoben werden. Große, klare Schrift auf hellem Hintergrund macht es Radfahrenden leicht, die Schilder auch ohne Anhalten zu lesen. Hinzu kommen hilfreiche Piktogramme für Bahnhöfe, fahrradfreundliche Services, lokale Sehenswürdigkeiten und grundlegende Infrastruktur sowie charakteristische Routenlogos, die Orientierung und Wiedererkennung unterstützen. Oben auf jedem Wegweiser steht die allgemeine Fahrtrichtung - meist in Richtung einer größeren Stadt -, darunter das nächste Etappenziel oder ein konkreter Orientierungspunkt. Alles ist logisch aufgebaut, einheitlich und leicht nachvollziehbar. Hoffentlich bleiben Radwegweiser überall so klar und radfahrerfreundlich.
Elberadweg ist Teil von EuroVelo 7
Beim Radfahren auf dem Elberadweg lohnt es sich zu wissen, dass man zugleich auf einem Abschnitt von EuroVelo 7 unterwegs ist - der sogenannten Sonnenroute, einem Teil des EuroVelo-Netzwerks der europäischen Radfernwege [DE]. In Deutschland folgt EuroVelo 7 der Elbe von der tschechischen Grenze über Dresden bis nach Lutherstadt Wittenberg, bevor die Route weiter nach Norden in Richtung Potsdam, Berlin und Rostock abbiegt. Insgesamt erstreckt sich die Strecke von Nordnorwegen bis an die Südspitze Maltas und bildet damit einen durchgehenden Radkorridor quer durch Europa. Interessant ist auch, dass sie weitere bekannte Routen umfasst, die wir bereits gefahren sind: den landschaftlich reizvollen Alpe-Adria-Radweg, den sehr gut bewerteten Drauradweg sowie unsere jüngste Entdeckung - den charmanten Havel-Radweg.
Der Elberadweg bereichert
Der Elbe Cycle Route - Elberadweg - gehört ohne Zweifel zu jenen Routen, die man gefahren sein sollte. Er ist ein europäischer Klassiker, der jedes Jahr Tausende Radfahrende aus ganz Europa anzieht. Und doch hat dieser Klassiker viele Gesichter - er verändert sich nicht nur mit der Fahrtrichtung, sondern sogar je nachdem, auf welchem Ufer man unterwegs ist. Entlang der Elbe kann selbst eine einfache Hin- und Rückfahrt auf demselben Abschnitt völlig neu wirken - mit einer anderen Wasserfarbe, verändertem Licht oder einer frischen Perspektive auf vertraute Orte. Es ist eine Route, die nie langweilig wird - der Rhythmus des Flusses, das wechselnde Wetter und die Jahreszeiten machen jede Fahrt einzigartig.
Doch mehr noch: Der Elbe Cycle Route ist eine dieser seltenen Strecken, die einen bereichert zurücklassen - mit Erlebnissen, Eindrücken und unerwarteten Begegnungen. Sie führt durch ruhige Landschaften und geschichtsträchtige Städte und lädt dazu ein, Tempo herauszunehmen und in die Atmosphäre der Region einzutauchen. Gut gestaltet und klar beschildert, schafft sie Raum für Nachdenken, Gespräche und die einfache Freude am Fahren. So sollte Radtourismus sein - entschleunigt, naturnah und voller stiller Verbundenheit. Und lange nach dem Ende der Reise erinnern die Fotos, die Erinnerungen und die Leichtigkeit in den Beinen daran, dass sich jede einzelne Etappe gelohnt hat.
Back to topHave a safe ride! 💚
Simon Thread
(Szymon Nitka)
I'm a passionate cycling traveler and the voice behind Cycling Thread. I explore Europe on two wheels, documenting the most scenic routes, inspiring places, and cyclist-friendly practices. My writing blends personal experience with practical insights and a deep love of travel. I'm also a contributor to National Geographic Traveler magazine.
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